Klang der Stille erfüllt den Raum

FISCHINGEN. «Silvester bei den Benediktinern» hiess es auch diesen Silvesterabend. Über 150 Menschen kamen in die Klosterkirche Fischingen, um zu meditieren und lauschend das alte Jahr ausklingen zu lassen und das neue gemeinsam zu beginnen.

Christof Lampart
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Mehr als 150 Frauen und Männer meditierten in der Silvesternacht in der Klosterkirche Fischingen. (Bild: Christof Lampart)

Mehr als 150 Frauen und Männer meditierten in der Silvesternacht in der Klosterkirche Fischingen. (Bild: Christof Lampart)

Der besinnlich-festliche Anlass zog viele von der ersten Minute an in seinen Bann. Denn auch wenn es möglich war, beispielsweise nur den letzten Teil der Meditation mitzumachen oder sogar «nur» das Konzert zu besuchen, so mochte doch fast niemand auch nur eine Sekunde dieses ungewöhnlichen Jahresausklangs missen.

Ein geistig erfüllender Abend

Und das bedeutete, dass – lediglich unterbrochen von einer zehnminütigen Pause zwischen der Meditation und dem Konzert – sich fast alle während dreieinhalb Stunden im ständigen Wechselspiel zwischen äusserem Lauschen und innerem Loslassen befanden. Und doch war es nicht anstrengend, sondern vielmehr ein geistig erfüllender und somit auch «erquickender» Abend. Dies nicht zuletzt deshalb, weil bis auf die Gong-Schläge und spirituellen Impulse, welche der die Meditation leitende Benediktinermönch Bruder Daniel Prandini an die Sitzenden austeilte, eine tiefe Ruhe im Kirchenraum herrschte.

«Erreiche die grosse Leere»

Eine Ruhe, die es den Meditierenden erlaubte, entspannt eine Position einzunehmen, ruhig zu atmen und dabei schweigend im Inneren dem eigenen Atem zu folgen. Während die Sitzmeditationen rund um den Altarbereich erfolgten, umrundeten die Menschen bei den Gehmeditationen die Kirchenbänke. Dabei las Bruder Daniel spirituelle Impulse vor. Bei «Vom Ewigen» lautete der Meditationstext wie folgt: «Erreiche die grosse Leere, bewahre die tiefe Stille / Alle Dinge entstehen und vergehen, betrachte ihre Wiederkehr / Alles kehrt zum Ursprung zurück / Die Rückkehr zum Ursprung ist Stille, dies ist der Weg der Natur / Der Weg der Natur ist ewig / Das Ewige zu kennen bringt Einsicht / Das Ewige nicht zu kennen, bringt Unheil / Das Ewige zu kennen, macht geduldig, geduldig zu sein macht redlich, redlich zu sein macht edel, edel zu sein macht natürlich, natürlich zu sein ist der rechte Weg / Wer den rechten Weg geht, ist ohne Zeit, selbst wenn er vergeht, dauert er fort.» Fürs Konzert wechselten alle in die St. Iddakapelle, wo das Duo Corda vornehmlich Werke aus Barock und Romantik, von Corelli über Viotti bis hin zu Brahms und Kreisler vortrug.

Hand in Hand gelauscht

Auch hier umgab Bruder Daniel das einstündige Konzert mit einleitenden Gedanken und Schlägen an die Klangschale. Daniel Treyer (Violine) und Corinne Kappeler (Harfe) spielten sowohl auf barocken als auch auf modernen Instrumenten und konnten somit der Zuhörerschaft, deren Sinne durchs Meditieren geschärft waren, ein noch tiefergehendes Klangerlebnis vermitteln, als es ansonsten bei einem «normalen» Konzert der Fall gewesen sein dürfte.

Am Ende des Konzerts hielten sich alle Menschen still an den Händen und lauschten gemeinsam den Schlägen der Fischinger Kirchenglocken, welche behutsam das alte Jahr verabschiedeten und anschliessend das neue Jahr einläutend willkommen hiessen.