KIRCHENTAG: «Merkel und Obama sind sehr geübte Redner»

Am Sonntag ging in Berlin der Deutsche Evangelische Kirchentag zu Ende. Als Präsidentin mit dabei war die Thurgauerin Christina Aus der Au. Sie diskutierte mit den Mächtigen dieser Welt.

Florian Beer
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Christina Aus der Au auf einer Bühne mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ex-Präsident Barack Obama. (Bild: CARSTEN KOALL (EPA))

Christina Aus der Au auf einer Bühne mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ex-Präsident Barack Obama. (Bild: CARSTEN KOALL (EPA))

Der Deutsche Evangelische Kirchentag findet seit 2003 alle zwei Jahre statt. Er versteht sich als freie Bewegung von Menschen, die der christliche Glaube und das Engagement für die Zukunft von Kirche und Welt zusammenführt. Die Thurgauerin Christina Aus der Au amtete als Präsidentin des Kirchentags, sie hat Angela Merkel und Barack Obama getroffen.

Frau Aus der Au, wie ist es, mit Persönlichkeiten wie Angela Merkel und Barack Obama zu diskutieren?
Das ist natürlich schon sehr cool (lacht). Es war aber auch sehr herausfordernd, da man beschränkt Zeit hatte und die Themen dementsprechend nur anschneiden konnte. Angela Merkel und Barack Obama sind sehr geübte Redner und wussten genau, wie sie zu antworten hatten. Beeindruckend fand ich dabei, mit welcher Leidenschaft sich die beiden für das Beste in der Welt einsetzen. Im zweiten Teil durften dann Jugendliche ihre Fragen an die Bundeskanzlerin und den ehemaligen Präsidenten stellen. Für mich persönlich war das ein sehr wichtiger Teil, weil die Jugend unsere Zukunft ist und an dieser Stelle ihre Anliegen an die beiden Politiker heranbringen konnte.

Wie haben Sie den Kirchentag ansonsten erlebt?
Ich habe ihn als extrem gelungen erlebt. Das Wetter war perfekt und die Stimmung in Berlin sehr friedlich. Natürlich war die Polizeipräsenz in der Stadt hoch, aber es wurde mit der Zeit immer entspannter. Neben den langjährigen Kirchentagsbesuchern waren auch viele Familien und Jugendliche vor Ort. Vor allem am Samstag, als Barack Obama aufgetreten ist.

Was war aus Ihrer Sicht das Bemerkenswerteste?
Der Kirchentag stand für mich im Zeichen des Dialoges. Was mich besonders gefreut hat, war, dass viele Besucher das Gespräch auch bewusst gesucht haben. Man hat sich dabei angestrengt und ist auf den anderen sehr respektvoll zugegangen. Vor allem mit Andersdenkenden hat man sich ausgetauscht und über verschiedenste Themen aus der Politik und den Religionen diskutiert. Am Kirchentag kommen Menschen aus allen christlichen Frömmigkeitsstilen zusammen. Und nicht nur Politiker wie Angela Merkel, Barack Obama oder der deutsche Bundespräsident Frank Walter Steinmeier kommen zu Wort, sondern auch Juden, Moslems und Atheisten. Es fand auch eine Diskussion mit einer Vertreterin der AfD statt.

Was nehmen Sie aus dem Kirchentag mit?
Dass wir mit kleinen Schritten grosse Ziele zu erreichen versuchen müssen. Wir können nicht sofort alles ohne eine gewisse Anstrengung erreichen und dürfen das auch nicht erwarten. Wir Menschen und vor allem wir Christen dürfen nicht nur auf uns selber schauen, sondern wir müssen uns auch für die anderen und somit für die ganze Welt einsetzen.

Zur Person

Christina Aus der Au ist in Märstetten zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Schwester aufgewachsen. Nach der Matura studierte sie Philosophie an der Universität in Tübingen und anschliessend in Zürich Theologie. Heute arbeitet die 51-Jährige an der Universität Zürich als theologische Geschäftsführerin des Zentrums für Kirchenentwicklung. Seit bald fünf Jahren wohnt sie mit Ehemann, Tochter und Kater wieder in Frauenfeld. (fbe)

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