«Kirche soll für Junge attraktiv sein»

Der 38jährige Peter Bruderer ist Mitbegründer des Godi (Jugendgottesdienst) Frauenfeld, der vor kurzem sein15-Jahr-Jubiläum feierte. «Der Godi war schon immer laut, wild und rockig», sagt Bruderer.

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Peter Bruderer sitzt in der Godi-eigenen Lounge und Bar. Hier finden auch die monatlichen Jugendgottesdienste statt. (Bild: Donato Caspari)

Peter Bruderer sitzt in der Godi-eigenen Lounge und Bar. Hier finden auch die monatlichen Jugendgottesdienste statt. (Bild: Donato Caspari)

Herr Bruderer, vor kurzem feierte der Godi Frauenfeld sein 15-Jahr-Jubiläum. Wie sah der Jugendgottesdienst für diesen Anlass aus?

Bruderer: Wir feierten mit rund 150 Besuchern in der Konvikthalle in Frauenfeld. Im Prinzip haben wir aber das gemacht, was wir die letzten 15 Jahre auch gemacht haben. Der Jugendgottesdienst war einfach festlicher. Grundsätzlich gibt es immer eine Lobpreisung mit Musik. Danach hielt Pfarrer Samuel Kienast eine Predigt zum Thema Heartbeat. Der Gedanke dahinter war, Gottes Herzschlag zu spüren, zu hören und in das eigene Leben aufzunehmen. Diese Botschaft ist im Grunde genau das, was wir uns wünschen.

Wie viele Besucher kommen zu einem gewöhnlichen Godi?

Bruderer: Normalerweise haben wir etwa 80 Besucher. Vor zehn Jahren waren es noch 700 bis 800. Damals fand der Godi regelmässig in der Festhalle in Frauenfeld statt.

Und warum haben die Besucherzahlen so stark abgenommen?

Bruderer: Zu Beginn waren wir weit herum die einzigen, die einen Jugendgottesdienst anboten. Mittlerweile gibt es in der Umgebung sieben weitere Godis. Im Thurgau finden Godis auch in Kreuzlingen, Weinfelden und Amriswil statt. Daher verteilen sich die Besucher mehr, die Zahl der Interessenten dürfte aber gleich geblieben sein.

Wie kam es überhaupt zur Gründung?

Bruderer: In den 90er-Jahren gab es eine Stagnation unter den jungen Kirchengängern. Gleichzeitig wuchs bei mir der Wunsch, den eigenen Glauben stärker nach aussen in die Gesellschaft zu tragen und öffentlicher zu leben. Schnell kamen weitere Leute dazu und so entstand der Jugendgottesdienst, der einmal im Monat stattfindet. Ich persönlich gehöre der Chrischona-Freikirche an, wir freuen uns aber, dass wir auch von der Evangelischen Landeskirche Frauenfeld unterstützt werden. Das ist eine gesegnete Sache, wie ein Christ sagen würde (lacht).

Bei der Gründung waren Sie 23 Jahre alt. Heute sind Sie 38 und haben eine Familie. Denkt man da ab und zu ans Aufhören?

Bruderer: Ich bin der Letzte, der von der Gründergeneration noch aktiv ist und mittlerweile auch weitaus der Älteste. Ich fühle mich noch nicht alt, aber manche Besucher könnten meine Kinder sein. (lacht). Bisher wurde ich aber gebraucht. Heute stehe ich seltener auf der Godi-Bühne, die ja eine Plattform für die junge Generation sein soll. Ich agiere mehr im Hintergrund und sorge für eine gewisse Stabilität. Deshalb kann ich mir vorstellen, auch weiterhin Godi-Jugendarbeit zu machen.

Was macht den Godi für Jugendliche so attraktiv? Grundsätzlich könnten diese ja auch einen gewöhnlichen Gottesdienst besuchen.

Bruderer: Das ist ein weites Themenfeld. Natürlich hängt das mit den Leuten zusammen, die den Godi veranstalten. Zudem darf der Glaube nicht abstrakt sein. Es geht nicht darum, dass man durch den Godi irgendwann ein Ticket in den Himmel bekommt, sondern darum, dem Glauben auch im Alltag eine grosse Relevanz beizumessen. Wir wollen den Glauben in den Formen leben, in denen wir uns wohl fühlen. Deshalb verwenden wir auch die Sprache der Jungen. So gesehen, war der Godi schon immer laut, wild und rockig.

Und warum findet der Godi dann nicht häufiger statt?

Bruderer: Wir wollen bewusst nicht zu viel machen, sondern punktuelle und verbindende Höhepunkte schaffen. Es ist nicht in unserem Sinne, der Kirche die jungen Besucher streitig zu machen, indem wir ein grosses Programm anbieten. Wenn wir einmal im Monat einen Jugendgottesdienst veranstalten, können die Jugendlichen immer noch an zwei bis drei Sonntagen einen gewöhnlichen Gottesdienst besuchen. Wir wollen mithelfen, dass Kirchen auf dem Platz Frauenfeld auch für Junge spannend und attraktiv sind.

Interview: Rahel Haag

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