Kirche im Kurzdorf baut für Junge

Am 28. Februar findet die Abstimmung über den Neubau «Viva» der Evangelischen Kirchgemeinde Frauenfeld statt. Das Gebäude soll neben dem Chrüterhus entstehen. Vor allem junge Erwachsene sollen hier neue Räume finden.

Katharina Brenner
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Architekt Marcel Jaeger, der Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Frauenfeld, Andreas Winkler, und Pfarrer Samuel Kienast zeigen vor dem Chrüterhus im Kurzdorf das Modell des Neubaus «Viva». (Bild: Reto Martin)

Architekt Marcel Jaeger, der Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Frauenfeld, Andreas Winkler, und Pfarrer Samuel Kienast zeigen vor dem Chrüterhus im Kurzdorf das Modell des Neubaus «Viva». (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Jedes Jahr im Advent kommen viele Kinder und Jugendliche in das Chrüterhus im Herzen des Kurzdorfs zum Kerzenziehen. Dazu gehörte früher auch die Frau des Architekten Marcel Jaeger, der den Neubau «Viva» neben dem Chrüterhus realisieren will. Der Architekt erinnert sich daran, wie er seiner Frau von den Plänen für mehr Räume in der Evangelischen Kirchgemeinde erzählt habe. Sie habe sofort gesagt: «Aber das Chrüterhus muss stehenbleiben.» So wie Jaegers Frau sei es auch vielen anderen gegangen, sagt der Architekt, der mit vielen Menschen aus dem Quartier gesprochen hat. Er lebt in Frauenfeld und leitet in Winkeln im Kanton Zürich die Jaeger Maffeo Architekten GmbH. Ein Entwurf des Büros ist das Siegerprojekt aus dem Wettbewerb der Kirchgemeinde. Es heisst «Viva» und sieht einen Neubau vor.

Symbolträchtiges Gebäude

«Viva» wird etwa die Hälfte der Grünfläche zwischen dem Chrüterhus und der Kirche einnehmen, der andere Teil bleibt erhalten. Die zwei Tannen müssen dem Neubau weichen, dafür ist eine Ersatzpflanzung geplant. Das Modell zeigt zwei miteinander verbundene, versetzte Quadrate in hellem Blau. Das Haus soll behindertengerecht sein. Eine Photovoltaikanlage produziert Strom, der Überschuss wird ins städtische Netz abgegeben. Die Dächer steigen zur Aussenseite hin an, durch die hohen Fenster fällt viel Licht in die Räume. Das Haus soll die Form bittender Hände nachahmen – überhaupt sei vieles an dem Bau symbolisch aufgeladen, sagt Pfarrer Samuel Kienast.

Wenn er über das Projekt spricht, kommt er ins Schwärmen: Eine Kirche der Zukunft solle hier entstehen, eine lebendige Kirche, in der sich junge Menschen wohl fühlten. Da passe der Name des Projekts, «Viva», sehr gut, heisst es doch «es lebe». Entgegen der allgemeinen Entwicklung habe seine Gemeinde keine rückläufigen Mitgliederzahlen. Den Austausch mit jungen Erwachsenen habe er in den vergangenen Jahren intensiviert, sagt Kienast. Aus Platzmangel mussten sie auf das Thurdruck-Gebäude ausweichen.

Ein grosser Saal im Erdgeschoss und der Jugendraum im Untergeschoss des Neubaus sollen Abhilfe schaffen. Gesprächsrunden, Workshops, Bandproben und Auftritte soll es hier geben. Eine Gastroküche decke ein weiteres grosses Bedürfnis: Catering und Apéros. Die Gäste müssten bei schlechtem Wetter nicht mehr im Regen stehen. «Bestimmt wird es mehr Hochzeiten hier geben», sagt Kienast.

Bau steht in den Startlöchern

Das Projekt war vor einem Jahr an der Kirchgemeindeversammlung vorgestellt worden. Ursprünglich war eine Abstimmung im vergangenen Herbst geplant, sie wurde verschoben auf den 28. Februar. «Jetzt haben wir alle Bewilligungen. Wir wären bereit für den Bau», sagt der Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Frauenfeld, Andreas Winkler. Sollten die Kirchbürger dafür stimmen, würden die Bauarbeiten im März 2016 beginnen. Mit einer Fertigstellung rechnet Winkler im Frühjahr 2017 – passend zur Feier von «100 Jahre Kirche Kurzdorf».

Keinen höheren Steuerfuss

Die Kosten für das Bauprojekt betragen 2,6 Millionen Franken. Die Evangelische Kirchgemeinde hat in den vergangenen Jahren 610 000 Franken dafür zurückgestellt. Die Nettoinvestitionen belaufen sich also auf rund zwei Millionen Franken. Die Kirchgemeinde will einen Kredit über 1,9 Millionen Franken aufnehmen. Das Projekt werde keine Erhöhung des Steuerfusses zur Folge haben, sagt der Präsident der Kirchgemeinde. 2,6 Millionen Franken seien zwar erst einmal viel Geld, doch «Viva» biete ein extrem grosses Angebot. Pfarrer Kienast fügt hinzu, dass alle, mit denen er gesprochen habe, den Eindruck hätten, sie würden mit «Viva» etwas dazu gewinnen. Aufgrund der positiven Resonanz zeigen sich die Verantwortlichen zuversichtlich im Hinblick auf die Abstimmung am 28. Februar. «Wir erwarten ein positives Resultat», sagt Winkler.

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