Kindern das Kindsein beibringen

Spielerisch gegen erzieherische Überforderung: Frauen besuchen seit fünf Jahren Familien, in denen Kinder vor dem Fernseher aufwachsen und mit Handys statt Knetmassen spielen. Nun wird das Projekt auf den Kanton ausgeweitet.

Silvan Meile
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Stehen gemeinsam zum Projekt «Spiel mit mir»: Andrea Stauss, Projektleiterin Perspektive, Monika Schuppli-Foster, Mütter- und Väterberaterin, Doris Grauwiler, stv. Geschäftsleiterin Perspektive, Ursi Häfner-Neubauer, ehemalige Projektkoordinatorin, Markus van Grinsven, Geschäftsleiter Perspektive, und Roger Häfner-Neubauer, Vertreter der Gemeinden im Ursprungsprojekt. (Bild: Nana do Carmo)

Stehen gemeinsam zum Projekt «Spiel mit mir»: Andrea Stauss, Projektleiterin Perspektive, Monika Schuppli-Foster, Mütter- und Väterberaterin, Doris Grauwiler, stv. Geschäftsleiterin Perspektive, Ursi Häfner-Neubauer, ehemalige Projektkoordinatorin, Markus van Grinsven, Geschäftsleiter Perspektive, und Roger Häfner-Neubauer, Vertreter der Gemeinden im Ursprungsprojekt. (Bild: Nana do Carmo)

WEINFELDEN. Die beiden Kleinkinder schreien von morgens bis abends. Das zerrt immer mehr an den Nerven der alleinerziehenden Mutter. Sie ist völlig überfordert und überlässt die Erziehung dem Fernseher. «Nicht alle Kinder haben die gleichen Voraussetzungen beim Start ins Leben», sagt Roger Häfner-Neubauer. Er vertritt die Behörden des Bezirks Weinfelden. Vor fünf Jahren riefen dort acht Gemeinden zusammen mit der Mütter- und Väterberatung das Projekt «Spiel mit mir» ins Leben.

Kleine Defizite bei den Kindern

Für ihre Aufgabe geschulte Mitarbeiterinnen besuchen für das Projekt verschiedene Familien mit Kindern im Alter von eins bis vier Jahren. Sie unterstützen Eltern, die mit der Erziehung überfordert sind und treffen Kinder an, die mit Handys statt mit Knetmassen und Malstiften spielen. Entsprechende Hinweise auf solche Zustände kommen vor allem von den Mitarbeiterinnen der Mütter- und Väterberatung. Es sind Familien, in denen die Kinder in ihrer Entwicklung leicht beeinträchtigt sind. Etwa weil sie sehr isoliert zu Hause leben, statt soziale Kontakte zu pflegen. Dadurch weisen sie allenfalls auch motorische und sprachliche Defizite auf. Das ruft eine Familienbesucherin des Projekts «Spiel mit mir» auf den Plan, sofern die betroffene Familie einverstanden ist. Bei ihren Besuchen gibt sie etwa Spiel- und Bastelideen oder regt etwa zum Besuch einer Bibliothek an.

Auf ganzen Kanton ausweiten

«Das Projekt verfolgt keinen therapeutischen Ansatz. Vielmehr soll auf spielerische Art und Weise die Familie unterstützt werden», sagt Häfner-Neubauer. Nach fünf Jahren und 60 begleiteten Familien wird das Projekt nun an den Zweckverband Perspektive übergeben. Vom Bezirk Weinfelden soll es etappenweise bis 2018 in den ganzen Kanton ausgeweitet werden. Von Kanton und Gemeinden finanziert, ist es als festes Angebot geplant.

Zustimmung der Gemeinden

Für die neue Projektleiterin Andrea Stauss von der Perspektive gilt es, mit den Gemeinden eine Leistungsvereinbarung abzuschliessen. So soll die Bereitschaft der Kommunen gesichert werden, das Programm mitzutragen. Pro Familie, die vom Projekt «Spiel mit mir» von Hausbesuchen und später Gruppentreffs profitiert, muss eine Gemeinde 1200 Franken budgetieren. Auch für die betroffenen Eltern fallen Kosten an. Diese belaufen sich insgesamt jedoch nur auf rund 80 Franken. Keine Familie kann zur Teilnahme gezwungen werden. Die Zustimmung zu den Hausbesuchen basiert auf freiwilliger Basis.

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