Kinderbetreuung braucht den Nachweis

FRAUENFELD. Eltern, die ihre Kinder bei sich zu Hause von den Grosseltern betreuen lassen, können deren Fahrkosten nicht von den Steuern abziehen. Das versuchte ein Familienvater. Nebst den Steuerbehörden sieht darin auch das Verwaltungsgericht eine Unrechtmässigkeit.

Silvan Meile
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Kinderbetreuung übernehmen oftmals verschiedene Personen. (Bild: Donato Caspari)

Kinderbetreuung übernehmen oftmals verschiedene Personen. (Bild: Donato Caspari)

Ohne Beweis kein Abzug: Wer für die Betreuung seiner Kinder auf der Steuererklärung einen Abzug geltend macht, muss die effektiv dafür angefallenen Kosten nachweisen. Das hält das Thurgauer Verwaltungsgericht in einem Urteil fest. Es wies die Beschwerde eines Familienvaters ab, der in seiner Steuererklärung Kosten von jährlich 6370 Franken für die tageweise Betreuung seiner drei Kinder durch die Grosseltern geltend machte

Über 100 Kilometer pro Weg

Die Grosseltern leisten die Betreuung ihrer Enkel, während die beiden Elternteile arbeiten, zwar ohne dafür entschädigt zu werden, ihnen fielen aber beachtliche Fahrspesen an, wie dem Urteil des Verwaltungsgerichts zu entnehmen ist. Zwischen dem Wohnort der Eltern und der Grosseltern liegen über 100 Kilometer.

Eine Bestätigung hätte gereicht

Die Steuerverwaltung – wie später auch das Verwaltungsgericht – liess den Abzug des Familienvaters für die Kinderbetreuung aber nicht zu, weil nicht bewiesen sei, dass die Kosten effektiv bei ihm angefallen seien. «Dabei hätte es unter Umständen in der Tat genügt, wenn die Grosseltern eine entsprechende Bestätigung unterschrieben hätten, dass sie durch Leistungen in entsprechender Höhe für ihre Aufwendungen entschädigt wurden», heisst es im Entscheid. Es sei nur klar, dass die Spesen bei den Grosseltern angefallen seien, nicht jedoch, dass sie durch den Steuerpflichtigen oder allenfalls seiner Lebenspartnerin vergütet wurden. An ihnen wäre es gelegen, den Nachweis zu erbringen, dass die Kosten den Grosseltern tatsächlich vergütet werden.

Für Behörden nicht in Ordnung

Hätte die Betreuung der Kinder jeweils am Wohnort der Grosseltern stattgefunden, wäre der Abzug gerechtfertigt. Ursprünglich sei die Steuerbehörde auch davon ausgegangen, dass die Kinder für die Betreuung zu ihren Grosseltern gebracht wurden, weshalb der Abzug in den früheren Steuerperioden auch anerkannt worden sei, schreibt das Verwaltungsgericht. Bis die Behörden herausfanden, dass die geltend gemachten Fahrkosten den Grosseltern anfallen.

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