Kinder aus aller Welt

STEIN AM RHEIN. Stein am Rhein verzeichnet zurzeit 64 Einwohner mehr, denn 64 Sasha- Morgenthaler-Puppen haben im Museum Lindwurm Einzug gehalten.

Ernst Hunkeler
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Sasha-Puppen inspiriert von Gemälden Albert Ankers. (Bild: Ernst Hunkeler)

Sasha-Puppen inspiriert von Gemälden Albert Ankers. (Bild: Ernst Hunkeler)

Stein am Rhein. Trotz der Puppenschar im Ausstellungsraum waren die Besucher an der Vernissage kürzlich im Museum Lindwurm noch deutlich in der Überzahl – und das Erstaunliche: Viele waren männlichen Geschlechts. Was wohl (auch) dafür spricht, dass die Geschöpfe der Zürcher Künstlerin Sasha Morgenthaler (1893 –1975) eher bei den Kunstwerken als bei den Spielzeugen einzuordnen sind. Dies obwohl die Künstlerin ihre ersten Exemplare für ihre Kinder zum Spielen geschaffen hat.

Ausdrucksstark

Möglicherweise haben jene mit derselben Andächtigkeit reagiert wie die Vernissagegäste, als sie immer wieder tief versunken stehen blieben, um Zwiesprache zu halten mit den ausdrucksvollen Puppenaugen. Mit handelsüblichen, dem Süss- und Schönheitsideal verpflichteten Bäbis lässt sich kaum lange kommunizieren, ohne dass es langweilig wird. Nicht so mit Sasha Morgenthalers Wesen. Die unergründliche Mimik, der rätselhafte Ausdruck und die gewollte Asymmetrie der Gesichter geben jeder Puppe ihre eigene Ausstrahlung, als ob sie eine Seele hätte.

Gemäss dem Ausstellungstitel «Kinder aus aller Welt» gilt dies für die arabischen Zigeuner mit ihrem Dromedar genau so wie für die Eskimos oder Afrikaner, die Existenzialistin im Ledermantel, die Chinesen oder das nach Motiven von Albert Anker geschaffene Emmentaler-Trio. Es ist ein Trip um die Welt, auf den das Puppenvolk den Betrachter führt – und durch die Kultur- und Modeepochen von Jahrzehnten. Geschaffen wurden die Originale zwischen 1941 und 1975. Wie dies geschah, wird im Museum ebenfalls dokumentiert: Mit Formen, Werkzeugen und den wesentlichsten Werkstoffen, zu denen Stoff, Gips, Leder und Kunstharz gehörten.

Leihgabe vom Landesmuseum

Aus Temperatur- und Platzgründen dislozierte die Betrachterschar schliesslich vom Ausstellungsraum hinab in den Fronhof, wo Apéro und Laudatio stattfanden. Stadtpräsident Franz Hostettmann erzählte gleich persönlich: Er war es gewesen, der mit Zürichs Stadtpräsident Elmar Ledergerber einst ausgehandelt hatte, dass die in einem Aussenlager des Landesmuseums untergebrachte Sammlung als Dauerleihgabe ins geplante Steiner Spielzeugmuseum einziehen dürfe. Das Abkommen wäre perfekt, nur würde sich nun halt das Steiner Projekt verzögern. Womit die gegenwärtige Ausstellung, die immerhin bis zum Herbst 2012 dauert, gleichsam ein Vorgeschmack auf eine Abteilung der (vielleicht) nächsten Steiner Sehenswürdigkeit ist.

Öffnungszeiten: Täglich von 10 bis 17 Uhr.

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