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«Kind starb, weil Infusionsnadel fehlte»

In Griechenland fehlt es an vielem. Der 59jährige Thurgauer Jakob Kohn setzt sich mit seinem Verein Griechenlandhilfe Schweiz für die Schwächsten ein. Auch weil sein Haus in Götighofen Mitte Juni bei den heftigen Unwettern überschwemmt wurde.
Samuel Koch

Herr Kohn, haben die Griechen überhaupt Hilfe nötig?

Jakob Kohn: Ja klar! Seit etwa fünf Jahren ist die Situation für die Griechen sehr schwierig. Die Verhältnisse haben sich markant verschlechtert. Väter arbeiten teilweise im Ausland und Mütter müssen sich mit Mehrfachjobs über Wasser halten. Daher fehlt den Eltern die Kapazität, sich um ihre Kinder zu kümmern.

Wer sorgt sich dann um die Kinder?

Kohn: Die Kinder werden häufig in Kinderheime weggegeben. Das Problem ist aber, dass diese zunehmend finanzielle Probleme haben, weil die Unterstützung vom Staat wegen der Krise gekürzt wurde.

Sie reisen selbst oft nach Griechenland. Welche Bedingungen fanden Sie zuletzt in Griechenland vor?

Kohn: Eine griechische Ärztin hat kürzlich erzählt, dass ein Kind gestorben sei, welchem keine Infusion gesteckt werden konnte, da keine Nadel vorhanden war. Die Kindersterblichkeit in Griechenland hat mittlerweile Ausmasse wie in Afrika angenommen. Und es gibt junge Mütter die ihre Neugeborenen in der Klinik zurücklassen, weil sie keine Zukunft sehen.

Was ist das Ziel Ihres Vereins?

Kohn: Bisher konnten wir vor allem andere Projekte mit Spenden unterstützen, welche sich für die Kinderheime in Griechenland einsetzen. Unser Ziel ist es, den Kindern, den Behinderten und den Spitälern das Nötigste zur Verfügung zu stellen. In den Kinderheimen fehlt es sogar an Essen, was einer humanitären Katastrophe gleichkommt. Wir wollen den Heimen und den Betroffenen aber kein Geld in die Hände drücken, sondern mit den Spendengeldern passende Hilfsgüter wie Essen oder Hygieneartikel geben.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Kohn: Wir sind noch im Aufbau, denn wir wollen nachhaltig und langanhaltend wirksam sein. Aber wir wollen so schnell wie möglich wieder nach Griechenland reisen. Wir bauen aktuell unsere Infrastruktur auf. Wir sind noch auf der Suche nach einem passenden Lagerraum. Wir schreiben aktuell die Schweizer Spitäler, die Armee und Firmen an. Diese können uns mit Ausschussmaterial, Hygieneartikel und Spendengelder helfen.

Dürfen Medikamente gespendet werden?

Kohn: Nein, das ist verboten. Schweizer Medikamente dürfen nicht exportiert werden. Und die Ärzte dürfen sie ohne griechische Beipackzettel nicht anwenden. Das wäre strafbar.

Was ist Ihre Motivation?

Kohn: Ich und meine Frau haben uns in das Land verliebt. Ich habe das Potenzial etwas zu tun und deshalb will ich etwas Nachhaltiges aufbauen. Ausserdem wurde am 14. Juni bei den heftigen Unwettern mein Haus überschwemmt. Meine Ayurveda-Praxis ist zerstört. Doch ich sehe das als Glück im Unglück, denn ich kann jetzt meine Zeit für den Verein einsetzen.

Wie kann ich als Privater helfen?

Kohn: Die aktuell beste Spende ist Geld. Im Winter sind wir aber auch froh um Kleider und Lebensmittel wie Babynahrung. Auch andere Hilfsmittel können wir immer gebrauchen. Auf unserer Internetseite wollen wir Transparenz schaffen, damit die Geldgeber und Spender jederzeit die Verantwortlichen Personen und Quittungen einsehen können. Wir haben aber festgestellt, dass die Leute sehr offen mit der Thematik umgehen. Da das Bankkonto erst kürzlich eröffnet wurde, steht es erst auf unserer provisorischen Internetseite. Diese wird aktuell neu gestaltet.

www.griechenlandhilfe.ch

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