Keine Spur von Müdigkeit auf der Bühne

Das Jugend-Brass-Band-Forum Ostschweiz hat vergangene Woche ein Musiklager durchgeführt. Am Samstag fand ein Schlusskonzert im Sekundarzentrum Ägelsee statt.

Carola Nadler
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Die B-Band unter Luca Frischknecht geniesst den Applaus. (Bild: Carola Nadler)

Die B-Band unter Luca Frischknecht geniesst den Applaus. (Bild: Carola Nadler)

Carola Nadler

hinterthurgau

@thurgauerzeitung.ch

Koffer, Kleiderhüllen, Imbisspäckchen, ja sogar ein kleiner Kühlschrank stehen und liegen im Flur des Ägelsee-Schulhauses in Wilen herum. Die jungen Musikanten sind weit gereist, nach der Lagerwoche galt es, am Donnerstag in Salenstein einen Open-Air-Auftritt und am Freitag ein Konzert in Eglisau zu bestreiten. Doch müde wirkten die beiden Ensembles des Jugend-Brass-Band-Forums Ostschweiz (JBBFO) nicht – zumindest nicht auf der Bühne.

Nach Höhenflügen ist es nicht einfach, wieder in die Spur zu kommen – wohl dem, der die Weisheit hat, seine Ansprüche nicht noch höher zu schrauben. Dem JBBFO ist dies gelungen: «Nach dem Jubiläumsjahr 2015 und den Uraufführungen im vergangenen Jahr schippert unser Schiff wieder auf flacherer See», schreibt JBBFO-Präsident Livio Carmichel im Vorwort zum Konzertprogramm. Und so habe man sich Zeit für Überprüfung und Neuausrichtung genommen.

Von morgens bis abends musizieren

Den Erfolg des Lagers sieht Carmichel ganz klar in der Musik, die im Mittelpunkt stand. Von morgens bis abends wurde musiziert, und das auf hohem Niveau. «Für die Jugendlichen ist es grossartig, unter einem internationalen Dirigenten zu arbeiten.» Dafür wurde dieses Jahr der Norweger Reid Gilje engagiert. Gilje führte die A-Band zu einer Glanzleistung von höchster Präzision, welche die intensive Probenarbeit spiegelte. Mit nur noch wenigen Gesten dirigierte der Norweger die Musikanten. Darunter das «Dove Descending» von Philip Wilby, ein über weite Strecken eher dissonantes Stück, das von höchster Präsenz zeugte. Rockiger und melodiöser dagegen andere Stücke wie «Cyrano» für Solotuba oder «Festivitas», worin sich facettenreiches Spiel und Transparenz durch alle Register durch entwickeln konnten.

Eine überaus reife Leistung

Die B-Band musizierte unter Luca Frischknecht ein nicht minder anspruchsvolles Programm, welches mit «Parnassus» von Jan van der Roost ebenfalls höchste Ansprüche stellte. Frischknecht gelang mit dem Ensemble eine effektvolle Inszenierung dieser Klangbilder. Sowohl für Zuhörer als auch für Musikanten darf das «Let’s Make Music» als ein Ohrwurm angesehen werden: Mit prägnanten Rhythmusimpulsen gehört dieses Rockstück sicher auf die Favoritenliste. Aber die Jugendlichen können auch anders: «Gresford» erinnert an ein Grubenunglück, bei welchem 1934 in Wales 266 Menschen ums Leben gekommen waren, darunter auch Kinder. Die grosse Tiefe des Vortrags war eine überaus reife Leistung.