Keine Panik wegen Eurokurs

Die Aufhebung des Euromindestkurses hat den Ostschweizer Tourismus kalt erwischt. Doch es herrscht erstaunliche Ruhe: Man will erstmal beobachten. Der Region kommt zugute, dass bis zu 90 Prozent der Gäste Schweizer sind.

Julia Nehmiz
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Vor allem bei Zürchern beliebt: Die Bergbahnen Flumserberg. (Bild: Benjamin Manser)

Vor allem bei Zürchern beliebt: Die Bergbahnen Flumserberg. (Bild: Benjamin Manser)

Es sind bange Fragen, die sich Ostschweizer Touristiker dieser Tage stellen: Kommen die Gäste aus dem europäischen Ausland weiterhin? Oder ist ihnen die Schweiz zu teuer geworden? Und fahren die Schweizer statt nach Flumserberg oder Appenzell nun ins günstigere Vorarlberg?

«Es ist schwierig zu sagen, wie sich die Frankenstärke auswirken wird», sagt Bruno Good. Der Finanzchef der Bergbahnen Flumserberg wirkt gelassen. Vielleicht beruhigt ihn der Blick auf die Zahlen: Im Januar hatten sie etwas mehr Gäste befördert als im Januar 2014.

«Wir haben viele Schweizer Gäste, unser Familienskigebiet ist vor allem bei Zürchern beliebt», sagt Good. «Wenn die jetzt lieber ins Montafon fahren wollen, können wir das nicht beeinflussen.» Man verfalle jetzt nicht in blinden Aktionismus, sondern wolle die Situation beobachten. Doch ein spezielles Angebot haben sie schon eingeführt: «Für ausländische Gäste, die den Skipass bar in Euro zahlen, bieten wir einen eigenen Wechselkurs an», sagt Good. Für einen Euro erhält der Gast 1.10 Franken Gegenwert.

Vergünstigung im Grand Resort

Besondere Massnahmen hat auch das Grand Resort Bad Ragaz getroffen. «Wir spüren den Wechselkursnachteil bis anhin noch nicht in grossem Ausmass», sagt Peter P. Tschirky, Vorsitzender der Geschäftsleitung. «Allerdings gibt es auch bei uns einzelne Stornierungen, und ein Teil unserer Gäste ist bei Ausgaben vor Ort zurückhaltender als noch im Vorjahr.» Mit einem Gutscheinbüchlein, das jeder Übernachtungsgast erhält, gewährt das Grand Resort Vergünstigungen im Restaurant oder bei Spa-Anwendungen.

«Unsere Gäste sprechen uns natürlich auf die neue Wechselkurssituation an», sagt Martin Leiter, Direktor der Kommunikationsabteilung des Grand Resort. «Nicht nur bei Gästen, die vor der Aufhebung des Mindestwechselkurses gebucht haben, sind wird daher um individuelle Lösungen bemüht.» Man führe jedoch keinen eigenen Wechselkurs.

Auch das Wetter ist wichtig

Urs Gantenbein schaut besorgt in den Himmel – vielleicht ist das schlechte Wetter schuld an der nicht so optimal verlaufenen Woche? «Wir wissen nicht, ob es am Eurokurs, der Ferienkonstellation oder am Nebel liegt», sagt Gantenbein, Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus AG. Die Toggenburger wollen abwarten, wie sich die Saison entwickelt. 90 Prozent der Gäste seien Schweizer. Man lebe stark vom Tagestourismus. Aktuell würden mit zwei, drei Gruppen aus Deutschland Gespräche geführt, die Skiferien in Wildhaus gebucht hatten – und nun ihr Budget nicht einhalten können. Einen eigenen Wechselkurs biete man aber nicht an.

Den gibt es auch nicht bei der Säntisbahn. «Wenn wir ausländischen Gästen einen Kurs von 1.20 anbieten würden, bekämen wir ein Problem mit den Einheimischen», sagt Geschäftsführer Bruno Vattioni. 80 Prozent der Gäste seien Schweizer.

Neues Konzept für neues Hotel

Doch die Säntis-Schwebebahn AG müsse jetzt nochmals über die Bücher. Im Herbst wird der Hotelneubau auf der Schwägalp eröffnet, man wollte vor allem deutsche Gäste in die 68 Zimmer locken. «Da müssen wir das Konzept anpassen», sagt Vattioni.

Auch im Resort Walensee macht man sich Gedanken über die aktuelle Saison. «Die Preisgestaltung für den Sommer ist gelaufen», sagt Direktor Matthias Lutz. Seine spezielle Ausgangslage: Die vielen niederländischen Gäste buchen Ferienwohnung oder Hotelzimmer über niederländische Reisebüros, im Resort selber buchen sie Zusatzleistungen wie Wellnessangebote. «Da müssen wir attraktive Angebote kreieren», sagt Lutz.

Kreativität, das rät auch Markus Kraus seinen Mitgliedern. «Der Vorschlag, Mehrwert zu kreieren, ist zwar nicht neu», so der Präsident des Hoteliervereins St. Gallen-Bodensee. Doch als Hotelier müsse man jetzt nochmal innovativer werden, um die Gäste bei sich halten zu können.

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