Kein Traumpartner: Thurgauer Vermittlerin angeklagt

KREUZLINGEN. Eine Single-Frau hat ein Partner-Institut aus dem Thurgau eingeklagt, weil es ihr nach ihrer Auffassung keine passenden Partnervorschläge machte. Am Mittwoch einigten sich die 49-Jährige und die Inhaberin der Partneragentur vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen.

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Es hätte doch so schön sein können... (Bild: Keystone)

Es hätte doch so schön sein können... (Bild: Keystone)

Die 49-jährige Frau aus dem deutschen Bielefeld hatte der Schweizer Partneragentur für einen sechs Monate dauernden Vermittlungsauftrag 3300 Euro bezahlt. Das Institut verspreche seinen Kundinnen und Kunden, den Traumpartner zu finden.

Die Agentur nenne sich "Partnervermittlung für Anspruchsvolle" und habe laut ihrer Website Unternehmer, Ärzte, Akademiker und Künstler in ihrer Kartei. Tatsächlich gebe es in der Kartei der Beklagten nur eine bescheidene Auswahl von Kandidaten, sagte der Anwalt der Klägerin, die aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Gerichtsverhandlung teilnahm.

Die Angaben, welche die Kundin über sich und ihren Partnerwunsch machte, hätten auf einem einzigen A4-Blatt Platz gehabt und seien zudem fehlerhaft ins Parnterprofil übernommen worden.

Zu hohes Honorar
Das Büro der Beklagten vermittle vor allem Personen aus Deutschland und sei im Vergleich mit der Konkurrenz teuer, sagte der Anwalt. Laut seinem Preisvergleich bezahlten Kundinnen und Kunden anderer deutscher Partnervermittler zwischen 850 und 1200 Euro für einen vergleichbaren Auftrag.

Für ein Honorar von 3300 Euro dürfe eine Kundin eine erstklassige Leistung erwarten, sagte der Anwalt. Seine Mandantin habe jedoch lediglich acht Vorschläge bekommen. Vier passten nicht auf ihr Profil und drei seien unzumutbar gewesen. "Jede Dating-Plattform im Internet hätte bessere Vorschläge gebracht und einen Bruchteil gekostet."

Schwierige Kundin
Die Kundin sei schwierig und habe nicht mit ihrer Agentur kooperiert, sagte die Inhaberin des Partnervermittlungsinstituts, die gemäss eigenen Angaben seit 32 Jahren im Geschäft ist und ohne Anwalt vor Gericht erschien.

Sie habe alles unternommen, um die Singlefrau zu vermitteln und stundenlang mit ihr telefoniert. "Ich wollte die Dame überzeugen, dass sie sich mit einigen Herren treffen soll. Doch das wollte sie nicht", sagte die Partnervermittlerin.

Die 49-Jährige habe noch nie längere Zeit einen Partner gehabt. Sie habe keine Ahnung davon, was Männern gefalle. Nur mit Mühe habe die Single-Frau eingewilligt, ihre Passion für brutale Computer-Spiele nicht im Profil zu erwähnen, sagte die Beklagte.

Auch sämtliche Versuche, die Frau in eine Stilberatung zu schicken, habe diese abgelehnt. Zudem habe sie plötzlich von ihrem Kinderwunsch gesprochen. "Sie können sich vorstellen, dass das in ihrem Alter nicht gut ankommt", sagte die Partnervermittlerin vor Gericht.

Stillschweigen über Einigung
An der rund einstündigen Gerichtsverhandlung verlangte die Klägerin, dass die Beklagte ihr das Honorar von 3300 Euro zurückzahlen müsse. Die Inhaberin der Agentur war bereit, der Kundin das Geld für ein Inserat zurückzuzahlen, welches nicht erschienen war.

Die Parteien akzeptierten den Vermittlungsvorschlag des Bezirksgerichts Kreuzlingen. Über dessen Inhalt vereinbarten sie Stillschweigen. Das Gericht dürfe das Ergebnis nicht kommunizieren, sagte der Einzelrichter gegenüber der Nachrichtenagentur sda. (sda)

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