«Kein Imageschaden fürs Spital»

Das Spital Wil hat all die Diskussionen nach dem tragischen Tod einer Patientin noch immer nicht ausgestanden. Auf dem Tisch liegt neu die Antwort der Regierung auf eine Interpellation.

Regula Weik
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ST. GALLEN. SVP-Kantonsrätin Verena Frick hatte in ihrem politischen Vorstoss die Frage nach dem Imageschaden für das Spital Wil, aber auch die anderen kantonalen Spitäler aufgeworfen. Die Regierung verneint einen Imageschaden; es sei keiner erkennbar – für kein Spital. Und weiter hält sie fest: «Ein relevanter Imageschaden läge dann vor, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen der Chefärztin Gynäkologie am Spital Wil und den zuweisenden Ärztinnen und Ärzten nachhaltig gestört wäre.» Dies sei nicht der Fall.

Die Regierung untermauert dies mit Zahlen. In den Monaten August und September seien mehr Patientinnen der Gynäkologie und Geburtshilfe ins Spital eingetreten als «budgetiert» – zu jenem Zeitpunkt also, da bekannt geworden war, dass die Chefärztin Gynäkologie wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt worden war. Im Oktober 2007 war eine ihrer Patientinnen an den Folgen einer schwierigen Geburt gestorben.

Seit 1999 – so weit reicht eine Untersuchung zurück – war dies der einzige Todesfall bei oder nach einer Geburt im Kanton St. Gallen gewesen. Im Spital Wil kommen jährlich über 700 Babies zur Welt. 2011 war mit 770 Geburten ein Rekordjahr gewesen.

«Rückstufung war kein Thema»

Wenige Wochen nachdem bekannt war, dass die Chefärztin die Schuld am Tod der Frau trifft, hatte der Verwaltungsrat der Spitalverbunde entschieden: Die Frau bleibt – in ihrer Funktion – am Spital Wil tätig. An ihrer fachlichen Qualifikation gebe es – trotz der fatalen Fehldiagnose 2007 – keine Zweifel. Allerdings wurde ihr ein Coach zur Seite gestellt; diese Aufgabe übt René Hornung, Chefarzt Frauenklinik des Kantonsspitals St. Gallen, aus.

Kantonsrätin Verena Frick will wissen, wie teuer dieses Coaching zu stehen kommt. Und sie fragt weiter, wie viel die Rückstufung der Chefärztin und die Anstellung eines «auch organisatorisch fähigen» Chefarztes gekostet hätte.

Das Coaching, so die Regierung, finde nach Bedarf statt – in der Regel eine bis eineinhalb Stunden wöchentlich. Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg entschädigt das Kantonsspital dafür mit 250 Franken pro Stunde. «Das Kantonsspital stellt quartalsweise Rechnung», schreibt die Regierung.

Und was antwortet die Regierung auf die Frage einer allfälligen Rückstufung? «Eine Rückstufung der Chefärztin mit gleichzeitiger Anstellung einer neuen Chefärztin oder eines neuen Chefarztes stand zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion. Eine solche Massnahme wäre weder organisatorisch noch betrieblich sinnvoll.»

Noch andere Verfahren?

Der Fall Wil lässt bei der Salezer SVP-Kantonsrätin einen schalen Nachgeschmack zurück. Sie fragt deshalb auch: Gibt es noch andere Verfahren, über welche die Öffentlichkeit nichts erfährt? 50 Haftpflichtfälle würden jährlich gemeldet – dies das langjährige Mittel, hält die Regierung fest. Mehr als die Hälfte werde abgeschlossen, ohne dass Schadenersatz bezahlt werde. Bei den verbleibenden 25, bei denen der Anspruch begründet ist, bezahle die Haftpflichtversicherung Beträge zwischen 500 und 50 000 Franken. In drei bis vier Fällen jährlich würden Schadenersatzzahlungen über 100 000 Franken geleistet.

In vier Fällen involviert

Zusammenfassend hält die Regierung fest: Sowohl die Zahl der Haftpflichtfälle als auch jene geleisteter Entschädigungszahlungen sei im Kanton St. Gallen «unterdurchschnittlich» – im Vergleich mit ähnlichen Nachbarkantonen.

Gibt es Zahlen zum Spital Wil? Die Chefärztin Gynäkologie arbeitet seit zwölf Jahren in Wil. In dieser Zeit wurden zwölf Fälle haftpflichtrechtlich untersucht. In vier Fällen war sie direkt oder indirekt involviert.

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