Kein Herz für Wiler

Thursicht

Sebastian Keller
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51 Parkplätze in der Tiefgarage für 17 Wohnungen. Das sind die Eckwerte einer Überbauung, die in Uttwil am Bodensee geplant ist. Das macht drei Parkfelder pro Wohnung. Tönt fair. Dazu kommen elf Plätze in einem so genannten Classic Car Center. Dort können – klimatisiert, versteht sich – Oldtimer parkiert werden. Diese Rechnung geht nicht mehr auf: Wenn jeder der 17 Parteien einen Rolls Royce im privaten Fuhrpark führt, wird es eng. Rein mathematisch hätte jeder ein Anrecht auf 0,64 Parkplätze. Da rechnen die Planer wohl damit, dass einige der künftigen Bewohner ihren angejahrten Smart ins klimatisierte Parkhaus stellen.

Aus der Vogelperspektive betrachtet, handelt es sich um ein Luxusproblem, das da auf Uttwil zurollt. In der st.-gallischen Stadt Wil haben die Behörden vor wenigen Jahren eine Überbauung genehmigt, die nicht mal mehr einen Parkplatz pro Wohnung vorsieht. Uttwil erscheint da nicht nur wegen des Seeanstosses paradiesisch.

In Wil treibt die knausrige Parkplatzregel seltsame Blüten. Autofahrer kurven um die Mittagszeit um die Häuser, weil sie ihr Auto nirgends abstellen können. Die Leitung eines Schulhauses taxierte sie als Elterntaxis und schaltete die Polizei ein. Diese schickte Polizisten auf die Piste. Bussen verteilen die Ordnungshüter zwar keine – aus Mitleid. Dass die parkplatzsuchenden Wiler dereinst nach Uttwil ausweichen, darauf sind sie am Bodensee gewappnet. Die Luxusüberbauung ist als Gated Community konzipiert, als geschlossene Anlage. Für die Wiler ist also noch immer kein Land zum Parken in Sicht.

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch