KEFIKON: Tempo 30 weckt Emotionen

Gachnang plant, die Tempo-30-Zonen auf seinem Gemeindegebiet zu vervollständigen. So soll die Kefiker Hauptstrasse im Dorfzentrum verkehrsberuhigt werden. Messungen sprechen dafür, es gibt aber auch Kritiker.

Mathias Frei
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An der Hofwiesenstrasse im östlichen Teil von Kefikon gilt schon heute Tempo 30. (Bild: Mathias Frei)

An der Hofwiesenstrasse im östlichen Teil von Kefikon gilt schon heute Tempo 30. (Bild: Mathias Frei)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Hitzig ist es im Speisesaal von Schloss Kefikon. Und das liegt nicht nur an der grossen Anzahl Anwesender, sondern auch am Thema der Informationsveranstaltung: Tempo-30-Zonen. Die einen wollen am liebsten noch viel mehr verkehrsberuhigte Zonen, die anderen pfeifen drauf. «Es ist ein emotionales Thema, das merkt man»: So beschliesst Fritz Stettler die Veranstaltung am Freitagabend vor 60 Interessierten. Wieso die 30er-Zone nicht grad bis zum Schulhaus Islikon durchgezogen werde, fragen die einen. Die anderen fürchten den Lärm der landwirtschaftlichen Anhänger, wenn diese auf der Strasse über ein «Berliner Kissen», also einen Vertikalversatz, fahren müssen.

Gachnang will die Tempo-30-Zonen auf dem Gemeindegebiet vervollständigen. Der westliche Teil von Kefikon ist die letzte Etappe. Laut Gemeinderat Stettler, Ressort Tiefbau, soll in Zukunft flächendeckend auf allen siedlungsorientierten Strassen Höchstgeschwindigkeit 30 gelten. Siedlungsorientiert sind die kleinen Strassen, die zum Beispiel ein Quartier erschliessen.

Pläne etwas ins Stocken geraten

Vor einem guten Jahr stellte der Gachnanger Gemeinderat seine Tempo-30-Pläne umfassend vor. Damals gab es bereits vier zusammenhängende 30er-Zonen auf Gemeindegebiet (siehe Karte). Weitere fünf Bereiche sollten ­innert nützlicher Frist in Tempo-30-Zonen umgewandelt werden. «Wenn es keine Einsprachen gibt, kann es rassig gehen», sagte Gemeindepräsident Matthias Müller damals. So rassig ging es dann doch nicht vonstatten. Mittlerweile haben die fünf besagten Gebiete das Einwendungsverfahren überstanden, sie stehen kurz vor der öffentlichen Auflage.

Noch am Anfang sind dementsprechend die Pläne für die 30er-Zone in Kefikon West. Hier steht nun das Einwendungsverfahren an. Erst wenn alle Einwendungen aus der Bevölkerung ­bereinigt sind, geht es zur öffentlichen Auflage. Gemeinderat Stettler rechnet damit, dass es noch zwei Jahre dauert, bis diese letzte Tempo-30-Etappe umgesetzt ist.

Neue Gemeindestrasse macht es möglich

Gachnang konnte im vergangenen Jahr die Dorfstrasse – durch Kefikon Richtung Ellikon – vom Kanton übernehmen. Nun ist auf der Dorfstrasse eine 30er-Zone möglich. Dies ist der Wunsch von Anwohnern. Auch der kantonale Richtplan sehe dieses Temporegime vor, erklärt Verkehrsplaner Thomas Buhl vom Büro Widmer aus Frauenfeld. Zudem stützen Resultate von Geschwindigkeitsmessungen die Pläne der Gemeinde. Demnach fahren auf der Dorfstrasse 85 Prozent der gemessenen Fahrzeuge 49 Stundenkilometer schnell, auf der Gundetswilerstrasse sind es bis zu 62 Stundenkilometern.

Realistisch ist laut Buhl, dass die Dorfstrasse im Zentrum inklusive aller Seitenstrassen, der Abbieger auf die Gundetswiler­strasse sowie das Quartier Wagenstoss verkehrsberuhigt werden. Gemeinderat Stettler verspricht, finanziell nicht mehr als nötig zu machen. Auf der Dorfstrasse sind zwei «Berliner Kissen» geplant. Nebst diesen baulichen Massnahmen reichen Markierungen in Form von Tafeln und Bodensignalisationen. Die Umsetzung wird laut Stettler 20000 bis 30000 Franken kosten. Und weil ein Teil Kefikons zur Zürcher Gemeinde Wiesendangen gehört, laufen die Planungen kantonsübergreifend.