Katholiken in der EVP

Die Präsidentin der SP Thurgau, Barbara Kern, fühlt sich zu alt, um Nationalrätin zu werden, wie sie kürzlich in einem TZ-Interview sagte. Kern ist 62. Spätestens mit 65 Jahren will sie alle ihre politischen Ämter niederlegen und ihr Studium abschliessen.

David Angst
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Die Präsidentin der SP Thurgau, Barbara Kern, fühlt sich zu alt, um Nationalrätin zu werden, wie sie kürzlich in einem TZ-Interview sagte. Kern ist 62. Spätestens mit 65 Jahren will sie alle ihre politischen Ämter niederlegen und ihr Studium abschliessen. Kern studierte zuerst Griechisch, dann trat sie in die SP ein. Da hat sie aber Glück gehabt. Hätte sie eine andere Partei erwischt, würde sie heute wohl die Griechen gar nicht mehr verstehen.

Kaspar Schläpfers Lebensmodell ist total anders. Vor 35 Jahren beendete er seine akademische Ausbildung. Und mit 64, während andere sich auf die Pensionierung freuen, kandidiert er für den Nationalrat. Sein Parteipräsident Walter Schönholzer ist nicht auf der Liste. Sein Amt als Gemeindepräsident lasse ein Nationalratsmandat nicht zu. Wie sich die Zeiten ändern. Vor vier Jahren vertrat die FDP noch die Meinung, ein Gemeindeammann könne im Nebenamt auch noch Ständerat sein.

EVP-Präsidentin Regula Streckeisen erklärt im TZ-Interview, wofür der Name E in EVP steht. Nicht etwa für Evangelisch, sondern für Evangelium. So gesehen hätte sich die EVP auch gleich CVP nennen können. 1919, als die EVP gegründet wurde, wäre der Name sogar noch frei gewesen. Gemäss Streckeisen hat die EVP sogar einige katholische Mitglieder. Sie nennt keine Namen. Es gibt aber nur drei, denen man ein solches Wunder zutraut: Dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.

EDU-Präsident Hans Trachsel redet in seinem Interview von «vier bürgerlichen Thurgauer Parlamentssitzen», sagt aber nicht, welche er meint. Vermutlich die drei SVP-Nationalratssitze und den SVP-Ständeratssitz. Über die BDP sagt Trachsel nichts Konkretes. Das ist vielleicht besser so. Sonst wären die Bürgerlich-Demokraten wohl beleidigt. Denn BDP-Präsident Markus Berner sagt: «Die erste bürgerliche Partei, die sich 2011 zum Atomausstieg bis 2050 bekannte, ist die BDP. Dazu stehen wir auch heute noch.»

Darauf muss sich Berner auch nicht allzu viel einbilden. Seit 2011 sind ja erst vier Jahre vergangen. Bis 2050 müsste die Partei noch einmal 35 Jahre durchhalten. Die Frage ist allerdings nicht, ob die BDP dann immer noch für den Atomausstieg ist. Die Frage ist eher, ob es die BDP dann noch gibt.

david.angst@thurgauerzeitung.ch