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KARTAUSE: Der Pfarrer trug den Boten selber aus

Vor 125 Jahren erschien der «Evangelische Kirchenbote» des Kantons Thurgau zum ersten Mal. Eine Redaktorin hat für das Jubiläumsfest Geschichten und Anekdoten aus den ersten Ausgaben wieder aufleben lassen.
Larissa Flammer
Die Gäste feierten das 125-Jahr-Jubiläum im Keller der Kornschütte. (Bild: Andrea Stalder)

Die Gäste feierten das 125-Jahr-Jubiläum im Keller der Kornschütte. (Bild: Andrea Stalder)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Der Evangelische Kirchenbotenverein des Kantons Thurgau versammelte sich im First der Kartause Ittingen. Angestossen auf das 125-Jahr-Jubiläum der Zeitschrift haben die Mitglieder dann mit den Gästen auf Erdniveau. Gegessen wurde schliesslich im Keller. Der Kornschütte, in der eigentlich hätte gefeiert werden sollen, fehlten am Donnerstag noch die Fenster. Der Einbau hat sich verzögert. Vereinspräsident Edi Ulmer war sich aber sicher, dass das Fest im Keller genauso gelingen würde: «Kein Wunder, unter diesen herrlichen Kronleuchtern.»

Esther Simon hat für die Jubiläumsfeier die ersten Ausgaben des «Kirchenboten» im Staatsarchiv aufgestöbert. Erst im vergangenen Jahr ist die langjährige TZ-Redaktorin der Redaktionskommission beigetreten. «Der erste Jahrgang ist sogar in doppelter und schöner Ausführung vorhanden», sagte sie. Drei Pfarrer – einer aus Wagenhausen, einer aus Steckborn und einer aus Wängi – haben den «Kirchenboten» gegründet und gleich die erste Redaktionskommission gebildet. 1894 ist ihr Werk das erste Mal erschienen. In einem Jahr, in dem es noch kein Fernsehen und kein Radio gab und der «Kirchenbote» in vielen Haushalten vielleicht die einzige Publikation war. «Eine reizvolle Vorstellung», sagte Esther Simon. Bereits im Januar des ersten Jahres abonnierte über die Hälfte der damals 16000 reformierten Haushalte im Thurgau den «Kirchenboten» – für 50 Rappen im Jahr, wenn der Pfarrer die Zeitschrift ins Haus brachte. Mit der Post kostete es einen Franken.

Gegen Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche

Bereits vor 125 Jahren kämpften die Menschen mit ähnlichen Problemen wie heute. Der «Kirchenbote» schrieb: «Eines der traurigsten und erschreckendsten Symptome unsere Zeit ist, dass so viele Menschen, namentlich auch viele junge Leute, nicht mehr den Mut finden, den Kampf gegen schwierige Verhältnisse fortzuführen, dass sie sich bald verloren geben und oft genug dann ihrem Leben selbst ein Ende bereiten.» Der Grund, warum die Pfarrer den «Kirchenboten» gründeten, war eine Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche, die sich als Folge der Industrialisierung in der Bevölkerung breitgemacht hatte. Auch das ein Thema, das heute noch in ähnlicher Weise aktuell ist.

Mit einiger Freude berichtete der «Kirchenbote» ebenfalls im ersten Jahr über die Verurteilung eines Holzfällers. Er hatte am Sonntag Holz gefällt. Seine Religion würde ihm befehlen, dass er am Sonntag arbeite, weil er die Arbeit als Gottesdienst betrachte, hatte der Mann vergeblich argumentiert.

Vielleicht zur Abschreckung der Bevölkerung hat der «Kirchenbote» damals auch die Geschichte einer Frau aus England veröffentlicht. Die Frau war eine Vagabundin und Trinkerin und hatte über die Jahrzehnte 834 Kinder und Kindeskinder, wie ein Arzt später feststellte. Von den Nachkommen seien «die meisten Armenhäusler, liederliche Weiber und Mörder» gewesen. Der Kirchenbote zog das Fazit: «Die alte und verlachte Lehre von der Erbsünde hat also doch ihren furchtbar ernsthaften Wahrheitskeim.» Oder: «Ich will sie strafen bis ins dritte und vierte Glied.»

Geschichten, die zu Tränen rührten

Bilder gab es zumindest in den ersten zwölf Ausgaben des «Kirchenboten» noch keine, auch keine Comics, aber doch schon ein Rätsel. Die Jubiläumsgäste zogen am Donnerstag den Hut vor der Pionierleistung der ersten Autoren. Diese hatten zu Spenden aufgerufen und über deren Eingang berichtet, die Gründung von Kirchenchören angestossen, verstorbene Persönlichkeiten gewürdigt, theologische Betrachtungen verfasst und erbauliche Geschichten geschrieben. Esther Simon sagte, dass ein paar von ihnen sie zu Tränen gerührt hätten.

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