KARRIERE: «Mein Hobby war die Politik»

Alt Regierungsrat Ulrich Schmidli wird heute 85 Jahre alt. Der Zihlschlachter hat einiges erreicht, findet aber doch, dass der Einfluss als Politiker gering ist. Das Wichtigste ist ihm die Natur, für die er sich jahrelang starkgemacht hat.

Larissa Flammer
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Ulrich Schmidli ist gern in der Natur unterwegs – am liebsten im Bündnerland. Doch dem Thurgau bleibt er treu. (Bild: Donato Caspari)

Ulrich Schmidli ist gern in der Natur unterwegs – am liebsten im Bündnerland. Doch dem Thurgau bleibt er treu. (Bild: Donato Caspari)

«An den grossen Dingen der Welt kann man nichts ändern.» Alt Regierungsrat Ulrich Schmidli verneint die Frage, ob er die Welt verbessert habe, entschieden. «Man hat einen gewissen Einfluss. Der ist aber beschränkt.» Natürlich sei er als junger Politiker mit hehren Ansprüchen angetreten, geblieben sei davon wenig. Schmidli ist aber dankbar, dass er in einem privilegierten Land habe leben und arbeiten dürfen, wie er betont.

Politik hat den Zihlschlachter schon als Halbwüchsigen interessiert. Deshalb trat er während seiner Zeit als Lehrer der SP bei und liess sich in den Kantonsrat wählen, dem er zwölf Jahre angehörte. «Jeder Lehrer sollte eine Nebenbeschäftigung haben: musizieren oder eine Vereinstätigkeit etwa. Mein Hobby war die Politik.»

«Es wurde viel zu viel Land überbaut»

Schmidli sass sieben Jahre im Gemeinderat von Zihlschlacht und war während acht Jahren zuerst Sekretär, dann Präsident der SP Kantonalpartei. 1980 erfolgte die Wahl in den Regierungsrat, dem er 16 Jahre angehörte und dort das Departement für Bau und Umwelt betreute. Schwerpunkte seiner Arbeit waren unter anderem der Umweltschutz, die Thurkorrektion und das Abfallwesen. Schmidli kann feststellen: «Der Bodensee ist heute sauber, die Fliessgewässer ebenso.»

Auf die Frage, worauf er denn besonders stolz sei, antwortet Schmidli: «Stolz ist wohl das falsche Wort.» Es seien lauter dringende Aufgaben gewesen, deren Lösung das Volk von ihm habe erwarten dürfen. «Ich habe nur meine Pflicht getan.» Trotzdem freut er sich darüber, dass er die Aufgaben weitgehend erfüllen konnte. Gar nicht zufrieden ist Schmidli mit den Ergebnissen der Raumplanung. Während seiner Zeit sei viel zu viel kostbares Landwirtschaftsland im Thurgau überbaut worden. Der Bund habe den Kantonen und damit den Gemeinden zu viel Spielraum gelassen. «Jetzt, mit dem neuen Raumplanungsgesetz, ist der Thurgau hoffentlich auf einem besseren Weg.»

Schmidli sagt: «Ich habe mich der Landschaft sehr verpflichtet gefühlt.» Er war immer gern und viel in der Natur unterwegs. Auch heute noch. Nur ist der begeisterte Wanderer nicht mehr ganz so gut zu Fuss, wie er zugeben muss. «Jetzt fahre ich mehr Velo.» Der liebste Ort ist Schmidli das Bündnerland. Trotzdem ist er im flachen Thurgau geblieben. «Hier bin ich daheim und verankert», sagt er. «Ich hätte nicht wegziehen können.» Ausserdem sei die Schweiz so klein, dass er schnell im Bündnerland sei.

Freudiges Wiedersehen mit Hunderten Schülern

Vor seiner Zeit als Berufspolitiker war Schmidli 27 Jahre lang Lehrer an der Landschule Blidegg. «Lehrer zu werden war nie mein Traum, aber ich war es gerne.» Vom damaligen Wohnort Tägerwilen sei das Semi gut zu erreichen gewesen. «Dort konnte man zudem relativ schnell und günstig einen Berufsabschluss machen. Das war in unserer Familie wichtig.» Schmidli machte aus der Not eine Tugend, indem er seinen Beruf mit Leidenschaft ausübte. Als «seine» Schule in Blidegg vor vier Jahren wegen Kindermangel geschlossen werden musste, gab es ein grosses Fest. Anlässlich dessen kam es zu freudigen Wiedersehen zwischen dem langjährigen Lehrer und Hunderten seiner ehemaligen Schüler.

Seinen 85. Geburtstag heute will Ulrich Schmidli dagegen im kleinsten Familienkreis feiern. Zu diesem gehören nach dem Tod seiner Frau vor allem Tochter, Sohn und Enkelkind. «Wir gehen gemeinsam essen.»

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch