Kantonsgeld gegen Stromfresser

SULGEN. Thurgauer Unternehmen sollen ihren Energieverbrauch senken oder vermehrt auf Alternativenergien setzen: Der Kanton lanciert eine Beratungsstelle für KMU. Sie berät Firmen und versucht, neue Technologien an den Unternehmer zu bringen.

Christof Widmer
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Nur wenn gesägt wird, öffnet sich die Klappe zum Absaugrohr. So spart die Erich Keller AG in Sulgen Strom. (Bild: Donato Caspari)

Nur wenn gesägt wird, öffnet sich die Klappe zum Absaugrohr. So spart die Erich Keller AG in Sulgen Strom. (Bild: Donato Caspari)

Der Vorgang ist logisch, aber trotzdem nicht selbstverständlich: Nur wenn eine Holzplatte durch das Sägeblatt gezogen wird und der Holzstaub sprüht, geht die Absauganlage in Betrieb. Das verhindert, dass die Luft in der Halle mit Staub belastet wird. «Normalerweise läuft bei solchen Maschinen die Absauganlage aber permanent», sagt Markus Neff, Geschäftsleitungsmitglied der Erich Keller AG in Sulgen. Andernorts sind diese Vorrichtungen wahre Stromfresser.

Das Sulgener Unternehmen konnte mit einer Reihe solcher Energiesparmassnahmen den Stromverbrauch massiv senken. Die Firma beschäftigt heute doppelt so viele Mitarbeiter wie 1992, verbraucht aber weniger Strom als damals. Sie sei ein Musterbeispiel für den effizienten Umgang mit Energie, lobte gestern Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer.

Das Beispiel soll unter den Thurgauer Unternehmen Schule machen. Gestern lancierte der Kanton die Innovationstransferstelle Energie und Klima (IEK). Sie wird kleine und mittlere Unternehmen beraten, wie sie ihre Energieeffizienz steigern können und wo der Einsatz von Alternativenergien sinnvoll ist.

Wettbewerb stärken

Hintergedanke ist bei weitem nicht nur der Umweltschutz. Unternehmen, die Energie sparen, können auch ihre Kosten senken.

Schläpfer sieht die IEK darum auch als einen Beitrag, die Wettbewerbsfähigkeit der Thurgauer Unternehmen zu stärken. Sie richtet sich an kleine und mittlere Betriebe, weil hier der Bedarf an Beratung am grössten ist, wie eine Marktanalyse des Kantons ergab.

Die IEK dient aber nicht nur der reinen Beratung. Es gehe vor allem um die Förderung von Innovationen, sagte Andrea Paoli, Leiter der kantonalen Abteilung Energie.

Die IEK hält Ausschau nach neuen Technologien und versucht, sie in hiesigen Unternehmen anzuwenden (Kasten). Vorgesehen ist eine enge Zusammenarbeit mit den umliegenden Hochschulen. «Die Hochschulen entwickelten laufend neue Ideen, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden», sagte Martin Bächer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Amt für Mittel- und Hochschulen.

Kein eigenes Institut

Die IEK wird nicht als eigenes Institut angelegt. Vielmehr erhält das Kompetenzzentrum für erneuerbare Energie Südthurgau (Keest) einen Leistungsauftrag vom Kanton. Das vom Wirtschaftsraum Südthurgau ins Leben gerufene Keest ist genau auf dem anvisierten Gebiet tätig. Mit dem kantonalen Leistungsauftrag wird es neu im ganzen Kanton aktiv sein – unter dem Label IEK.

Für drei Jahre erhält die Keest dafür vom Kanton jährlich 200 000 Franken. Geschäftsführer Andreas Koch rechnet damit, in dieser Zeit an die 100 Unternehmen beraten zu können. Dazu wird er einen Mitarbeiter einstellen.

Die Aktivitäten des Keest kontrollieren wird das Thurgauer Technologieforum – ein Gremium aus Vertretern des Kantons und der Wirtschaftsverbände.

Das sei optimal, weil so die Wirtschaft eingebunden sei, sagte Edgar Sidamgrotzki, Chef des Amts für Wirtschaft und Arbeit. In der Wirtschaft ist Interesse vorhanden. Das Programm sei attraktiv, weil die Unternehmen tatsächlich beträchtliche Einsparungen machen können, sagte Christoph Lanter, Vertreter der Industrie- und Handelskammer.

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