Kanton will Ufer nutzen und schützen

Das Amt für Raumplanung hat jeden Meter des Untersee- und Rheinufers erkundet und Verbesserungsmöglichkeiten notiert. Die daraus entstandene Uferplanung liegt nun in den betroffenen Gemeinden öffentlich auf.

Marina Winder
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Für die Stedi in Ermatingen ist ein Ausbau zum Bootshafen vorgesehen. Finanzieren müssten das die Gemeinde und private Nutzniesser. (Bild: Reto Martin)

Für die Stedi in Ermatingen ist ein Ausbau zum Bootshafen vorgesehen. Finanzieren müssten das die Gemeinde und private Nutzniesser. (Bild: Reto Martin)

ERMATINGEN. Für Untersee und Rhein liegt eine neue Uferplanung vor. Ziel ist gemäss Projektteam die Verbesserung folgender Aspekte: Renaturierung, Ufernutzung, Bootsstationierung, Zugänglichkeit und Freihaltung. Gestern stellten Regierungsrat Jakob Stark, Projektleiter Jürg Dünner und Ueli Hofer, Chef des Amtes für Raumplanung, das Projekt den Medien vor. Anwesend waren auch die elf Gemeindeammänner der betroffenen Gemeinden.

Nutzungsdruck unterschiedlich

In der neuen Uferplanung ist jeder Abschnitt in einen von fünf Handlungsräumen eingeteilt. Unterschieden wird zwischen «Siedlung», «Freizeit und Sport», «Wohnen am Wasser», «Extensive Erholung» und «Natur und Landschaft». Die Einteilung in Handlungsräume zeigt auf, wie der jeweilige Abschnitt genutzt wird, inwiefern er geschützt werden muss und welche Ziele für ihn verfolgt werden. Mögliche Massnahmen können die Aufwertung eines Badeplatzes, eine ökologische Aufwertung oder auch die Renaturierung eines Baches sein.

30 Tage öffentliche Auflage

Die Uferplanung liegt ab Freitag in allen betroffenen Gemeinden öffentlich auf. 30 Tage lang haben die Bewohner der See- und Rheingemeinden Zeit, die Pläne zu studieren und gegebenenfalls darauf Einfluss zu nehmen.

Vier der anwesenden Gemeindeammänner nutzten gestern die Gelegenheit, das Projekt aus ihrer Sicht zu beurteilen. Sie waren voll des Lobes. Walter Sommer aus Diessenhofen sprach sogar von einem Musterbeispiel für offene Planung. Jakob Starks vorsorgliche Warnung an die Redner, es handle sich um eine Medienkonferenz, nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Kanton und Gemeinden, erwies sich damit als überflüssig. Einzig Hansjörg Lang, Gemeindeammann in Mammern, sprach Schwierigkeiten an. Für ihn ist noch nicht klar, wie private Grundbesitzer dazu gebracht werden sollen, geplante Neuerungen am Ufer umzusetzen. «Zwang lässt das Gesetz nicht zu. Und finanzielle Anreize können wir nicht bieten», sagte Lang. Darauf wussten auch die Vertreter des Kantons keine schlüssige Antwort. Sie verwiesen auf den Fahrplan. Dieser sieht eine einjährige Phase vor, in der die Pläne aufgrund der Eingaben aus der Bevölkerung bereinigt werden. Anschliessend fliessen Teile der Planung in die Richtpläne der Gemeinden und des Kantons ein. «Idee ist, dass diese dann auch irgendwann umgesetzt werden», sagte Ueli Hofer. «Die Grundeigentümer werden, bis es so weit ist, aber mindestens zweimal angeschrieben», ergänzte Jakob Stark.

Ohne Druck geht's nicht

Markus Thalmann, Gemeindeammann in Tägerwilen, weiss bereits, wie er damit umgehen will: «Jene Pläne, die unseren Wünschen entsprechen, werden wir sofort umsetzen. Alle anderen lassen wir solange liegen, bis der Kanton Druck macht, dann schauen wir mal weiter.»

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