KANTON THURGAU: TKB-Bankrat: SVP will Franz nicht

Die grösste Fraktion im Thurgauer Kantonsparlament will die Wahl des Aargauer Unternehmers Mike Franz in den TKB-Bankrat verhindern. Die anderen grossen Fraktionen unterstützen ihn.

Sebastian Keller
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Mike Franz will Bankrat der TKB werden. (Bild: Reto Martin)

Mike Franz will Bankrat der TKB werden. (Bild: Reto Martin)


Die SVP-Fraktion ist grossmehrheitlich gegen den Vorschlag des Regierungsrates. Dieser schlägt Mike Franz als neuen Bankrat für die Thurgauer Kantonalbank (TKB) vor. Er soll auf SVP-Vertreter Werner Dickenmann folgen, der aus dem strategischen Leitungsgremium zurücktritt. Die SVP stören zwei Komponenten an seiner Person: Er wohnt im Aargau –also nicht im Thurgau – und er ist nicht Mitglied der SVP. «An seiner fachlichen Qualität zweifeln wir nicht», sagt Ruedi Zbinden, Präsident der SVP Thurgau. Er ist der Meinung, dass sich geeignete Leute im eigenen Kanton hätten finden lassen. Die Partei selber hat Kandidaten vorgeschlagen – erfolglos. Auf das Angebot, das Franz der SVP gemacht hat, tritt diese nicht ein. Der parteilose Kandidat offerierte der Partei, «ihr gerne auch regelmässig für Berichterstattung, Fragen und Anliegen in Zusammenhang mit dem TKB-Bankrat zur Verfügung zu stehen».

Den Bankratskandidaten hat SVP-Regierungsrat und Finanzminister Jakob Stark vor zwei Wochen hoch über Weinfelden den Medien präsentiert. Zu diesem Umstand sagt Parteikollege Ruedi Zbinden: «Das bedauern wir, aber letztlich muss er die Haltung des gesamten Regierungsrates vertreten.» Stark selber möchte sich auf Anfrage nicht äussern. In einer Parlamentsdebatte zum Thema sagte er im vergangenen Jahr: «Die Fachkompetenz muss vor der Politik stehen.» Er betonte aber auch, dass er der Meinung sei, dass «der Bankrat der TKB, die der Thurgauer Bevölkerung gehört, angemessen in der Wirtschaft und Politik des Kantons verankert sein muss».
 

Weitere Fraktionen loben seine Kandidatur

Die Wahl des 52-jährigen Mike Franz dürfte dennoch unbestritten sein, wie eine Umfrage der Thurgauer Zeitung zeigt. Ein Glanzresultat dürfte ihm aber verwehrt bleiben. Die grössten Fraktionen – ausser der SVP –  unterstützen seine Wahl. «Wir stehen hinter seiner Kandidatur», sagt Sonja Wiesmann, Fraktionschefin der SP. «Sowohl fachlich wie persönlich.» Es sei nach einem klaren Profil gesucht worden, dem eines ausgewiesenen Profis in der Informatik und der Digitalisierung. «Und diesem Profil entspricht Franz.» Auch die GLP/BDP-Fraktion steht hinter dem Vorschlag. Fraktionschef Ueli Fisch sagt: «Fachlich hat uns Herr Franz überzeugt.» Es sei zu begrüssen, dass sich der Regierungsrat an dem mit dem Grossen Rat vereinbarten Prozess gehalten habe. Seine Fraktion sei aber nach wie vor der Meinung, dass Parteipolitik bei der Bestellung des Gremiums nichts verloren habe. Er kündigt an, dass sie in dieser Sache «keine Ruhe» geben werden. Ueli Müller, Fraktionschef der CVP/EVP, sagt, dass seine Fraktion die Wahl Franz’ unterstütze. Ähnlich tönt  es aus der FDP. «Mike Franz hat uns fachlich überzeugt», sagt FDP-Präsident David H. Bon. Und die Fachkenntnisse im Bereich Informatik und Digitalisierung, die er mitbringt, seien in der Bankenbranche zentral. «Die IT ist das Herzstück einer Bank», betont Bon. Dass er Aargauer und nicht Thurgauer sei, könne vernachlässigt werden. «Er hat uns dargelegt, dass er die ländlichen Strukturen versteht, er kommt aus einem ähnlichen Umfeld wie wir Thurgauer.»  Die Wahl findet voraussichtlich an der Grossratssitzung vom 19.April statt.