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KANTON THURGAU: Protestpost für alle Thurgauer Gemeinden

Die SP kämpft für Lohngleichheit. Sie fordert alle Thurgauer Gemeinden auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und ihren Mitarbeiterinnen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn wie den Männern zu zahlen.
Silvan Meile
Die Sozialdemokraten lassen in jede Thurgauer Gemeinde einen Brief flattern. (Bild: Silvan Meile)

Die Sozialdemokraten lassen in jede Thurgauer Gemeinde einen Brief flattern. (Bild: Silvan Meile)

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Am 14. Juni 1991 hat Ruth Erat zusammen mit einer halben Million Schweizerinnen die Arbeit ruhen lassen. «Wenn frau will, steht alles still», stand als Motto über dem Schweizer Frauenstreiktag, an dem gegen die zögerliche Umsetzung des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung protestiert wurde. Gestern hat sich die Arboner SP-Stadtparlamentarierin an damals erinnert.

An einer Pressekonferenz in Weinfelden forderte die Thurgauer SP Lohngleichheit für die Frauen in den öffentlichen Verwaltungen auf Thurgauer Kantonsgebiet. Die Gemeinden und der Kanton sollen als Arbeitgeber eine Vorbildfunktion einnehmen und den verfassungsmässigen Grundsatz «gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit» umsetzen. Noch immer sei dies nicht gegeben. «Ich dachte damals nicht, dass unsere Forderung so viele Jahre später nicht umgesetzt sein würde», sagt Erat.

Der Regierungsrat sieht keinen Handlungsbedarf

Die Thurgauer Sozialdemokraten sind enttäuscht, dass ihr Kanton und keine seiner 80 Gemeinden die Charta von Bundesrat Alain Berset für Lohngleichheit im öffentlichen Sektor aus dem Jahr 2016 unterschrieben hat. Der Thurgau zählt somit nicht zu den 13 Kantonen, die sich verpflichtet haben. Wer hier mitmacht, bekräftigt seinen Willen, sich für Lohngleichheit einzusetzen. Nun setzt die SP Thurgau in ihrem Kanton Druck auf. Sie reicht im Grossen Rat und den Stadtparlamenten Frauenfeld, Kreuzlingen, Arbon und Weinfelden Vorstösse ein und fordert darin die Exekutiven auf, die Charta zu unterschreiben. Ausserdem erhalten in diesen Tagen alle Thurgauer Gemeinden einen Brief, in welchem die Gemeinderäte aufgefordert werden, die Charta zu unterzeichnen. «Der Beschluss des Gemeinderats würde reichen», sagt Nina Schläfli, Präsidentin der SP Thurgau. Auf kantonaler Ebene hat sie vor Monaten bereits einen Vorstoss eingereicht, um zu erfahren, ob der Regierungsrat bezüglich Lohngleichheit einen Handlungsbedarf erkennt. «Mit der Antwort bin ich überhaupt nicht zufrieden», sagt Schläfli. Deshalb plane sie, das Thema zurück in den Grossen Rat zu bringen. Der Regierungsrat hingegen vertritt die Meinung, dass er bereits heute beim Thema Gleichstellung eine Vorbildfunktion erfüllt. Ein Vergleich aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Kanton habe ergeben, dass die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern deutlich unter der vom Bund definierten Toleranzschwelle von fünf Prozent liegen. Den privaten Sektor eingeschlossen gehe diese Lohnschere aber schweizweit immer noch 7,4 Prozent auseinander, weiss Charis Kuntzemüller, SP-Gemeinderätin in Kreuzlingen: «Absolut inakzeptabel.»

Auch Barbara Dätwyler, SP-Gemeinderätin in Frauenfeld, war 1991 als Jugendliche unter den streikenden Frauen. «Ich hatte grosse Hoffnung, dass ich als erwachsene Frau nicht mehr für Lohngleichheit kämpfen muss», sagte sie gestern.

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