KANTON THURGAU: Post und Kanton setzen auf Dialog

Postcom, die Aufsichtsbehörde über den Postmarkt, hat sich mit dem Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer getroffen. Eine Lösung für die zukünftige Grundversorgung scheint auf gutem Weg.

Larissa Flammer
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Die Postversorgung wird künftig durch neue Instrumente gewährleistet. Beispielsweise können Einzahlungen künftig beim Postboten getätigt werden. (Bild: Benjamin Manser)

Die Postversorgung wird künftig durch neue Instrumente gewährleistet. Beispielsweise können Einzahlungen künftig beim Postboten getätigt werden. (Bild: Benjamin Manser)

«Die Bevölkerung muss sich auf die Zukunft einstellen», sagt Hans Hollenstein. Der Präsident der Eidgenössischen Postkommission Postcom ist überzeugt, dass im Thurgau früher oder später eine gute Lösung bezüglich Poststellen gefunden wird. Nur werde diese halt anders aussehen als heute. Denn «auch im Thurgau rentieren die Poststellen nicht mehr». Ein Grossteil des Umsatzes des Gelben Riesen werde mit Briefen generiert und solche würden massiv weniger verschickt als noch im Jahr 2001. Wenn aber die jetzt gefasste Strategie der Post gut umgesetzt werde, sei die Postversorgung vielleicht sogar bald besser als bisher. «Eine Poststelle, die am Nachmittag für drei Stunden geöffnet ist, nützt berufstätigen Menschen auch nicht viel.»

Gerade weil im Thurgau bezüglich Postdienstleistungen zuletzt vieles im Argen lag, hat sich die Postcom für ihr jährliches Seminar in die Kartause Ittingen zurückgezogen. Zum Seminar wurden auch Verantwortliche der Post eingeladen. «Wir haben sie gefragt, was sie vorhaben, ob sie die Bevölkerung hier im Stich lassen», sagt Hollenstein. Auch der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer war eingeladen, seine Sicht der Dinge zu schildern. «Ich habe bei beiden gespürt, dass sie zusammenarbeiten und eine Lösung finden wollen.»

Neue Instrumente für die Postversorgung
Der Thurgau als dezentraler Kanton habe lange viele kleine Poststellen gehabt. «Der Pöstler war im Dorf immer eine wichtige Person», sagt Hollenstein. Mit entsprechenden vielen Emotionen hänge die Bevölkerung an jeder Poststelle. Doch auch die Landbevölkerung verschicke heute mehr E-Mails als Briefe. Die Aufsichtsbehörde Postcom steht deshalb hinter der Schliessung von unrentablen Poststellen. Hollenstein weist auf das Massnahmenpaket hin, das die Post vergangenen Donnerstag veröffentlicht hat. Mit dieser Strategie soll die Grundversorgung auch mit Postagenturen gewährleistet werden. Beispielsweise können in Zukunft Einzahlungen bis 10000 Franken direkt beim Postboten getätigt werden. «Es gibt heute neue Instrumente», sagt Hollenstein. Die Bevölkerung dürfe nicht die postalische Versorgung von 1990 einfrieren wollen. Trotzdem habe sie nach wie vor Anrecht auf gute Postdienstleistungen. Darauf werde seine Aufsichtsbehörde achten.

Kommunikation und Regionalität verbessert
Die Postcom hat die Post bereits darauf hingewiesen, die Versorgung regional zu betrachten. Der Durchschnittswert, dass 90 Prozent der Bevölkerung eine Poststelle oder Agentur innerhalb von 20 Minuten erreichen muss, nütze jemandem in Schönholzerswilen, Fruthwilen oder Tägerwilen nichts. Diesen Gedanken habe das Unternehmen bereits aufgenommen. Auch bei der Kommunikation habe sich die Post bereits verbessert. «Die Verantwortlichen haben gesagt, dass Fehler passiert seien. In 90 Prozent der Fälle läuft es gut. Die Post hat viel gelernt.» Gemeinden, die mit der für sie angedachten Lösung nicht zufrieden sind, können an die Postcom gelangen. So hat die Behörde unter anderem die Schliessung der Poststellen in den Gemeinden Pfyn und Wigoltingen geprüft. 

Überhaupt nicht einverstanden wäre Hollenstein mit einem Moratorium. «Nachdem die Post wie gefordert eine Gesamtstrategie präsentiert hat, hätte sie das nicht verdient.» Die sich abzeichnende gute Lösung soll nicht durch eine Blockade verhindert werden. «Ich rufe ganz klar zum Dialog auf.»