KANTON THURGAU: Mehr als Apfel und Bodensee

Die FDP Thurgau will das vorhandene Potenzial des Kantons besser sichtbar machen. Ein neues Selbstverständnis sei vonnöten. Auf diesem Weg gebe es aber einige Hindernisse zu überwinden.
Sebastian Keller
Die FDP-Vertreter stehen für ein neues Thurgauer Selbstverständnis zusammen: Daniel Eugster, Walter Schönholzer, Carlo Parolari, Kristiane Vietze, Hansjörg Brunner, Cornelia Zecchinel und David H. Bon. (Bild: Donato Caspari)

Die FDP-Vertreter stehen für ein neues Thurgauer Selbstverständnis zusammen: Daniel Eugster, Walter Schönholzer, Carlo Parolari, Kristiane Vietze, Hansjörg Brunner, Cornelia Zecchinel und David H. Bon. (Bild: Donato Caspari)

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Tageslicht flutet durch die gebäudehohen Fenster; die hellen Holztreppen strömen Wärme aus. Die Gemütlichkeit eines Chalets verschmilzt mit der Zweckmässigkeit eines Industriebaus. Hausherr dieses Gebäudes am Rande Arbons ist Daniel Eugster. «Dieses Gebäude produziert mehr Strom, als es verbraucht», sagte der Chef der Haustechnik Eugster AG und FDP-Kantonsrat (Freidorf). Mit der überschüssigen Energie könnten 40 Elektrofahrzeuge ein Jahr lang durch die Gegend fahren. Eine passende Umgebung, um die Jahresmedienkonferenz abzuhalten, fanden die Verantwortlichen der FDP Thurgau.

Ins Zentrum stellte Parteipräsident David H. Bon (Romanshorn) die FDP-Grundwerte Freiheit, Gemeinsinn und Fortschritt. Er wirbt für ein «neues Selbstverständnis für den Kanton Thurgau». Der Kanton liege zwar – betrachtet man nur die Schweiz – in der Peripherie. Anders sieht es aus, wenn man den Wirtschaftsraum Bodensee anschaue – mit den Ostschweizer Kantonen, dem Land Vorarlberg und den beiden Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern. «Der Thurgau rutsch dabei ins Zentrum», sagte Bon.

«Wir haben eine gute Wirtschaftsleistung»

Die Frauenfelder Kantonsrätin Kristiane Vietze stellte fest: «Die übrige Schweiz kennt uns kaum.» Doch der Thurgau sei mehr als Apfel und Bodensee. «Wir haben eine gute Wirtschaftsleistung, sind stark im Export.» Als Beleg zählte sie einige Grossfirmen im Thurgau auf: Bernina, Stadler Rail, AFG. Doch der Thurgau dürfe nicht ruhen. «Wir müssen einiges tun.» So etwa bei der Mobilität: «Die BTS und die OLS müssen zügig vorangetrieben werden», sagte Vietze. Es habe sie gefreut, dass Baudirektor Carmen Haag gesagt habe, das mit der Bodensee-Thurtal-Strasse und der Oberlandstrasse im laufenden Jahr vorwärtsgehe. «Eine bessere Erreichbarkeit ist wichtig für die Wirtschaft.»

Um das Wort «Gemeinsinn» kreisten die Gedanken der Kreuzlinger Kantonsrätin Cornelia Zecchinel. «Gemeinsinn zeigt sich im Sport und in der Kultur sehr gut.» So würden viele kulturelle Veranstaltungen auf freiwilligem Engagement fussen. «Das Miteinander prägt den Gemeinsinn.»

FDP-Regierungsrat Walter Schönholzer spürt eine gewisse «Entsolidarisierung in der Gesellschaft». So werde es immer schwieriger, Personen für Behörden oder Vereinsvorstände zu finden. Ihm sei das «Wir-Gefühl» wichtig. Etwas vermisse er im Thurgau, in der Schweiz: «Ich wünschte mir mehr Risiko und eine ausgeprägtere Fehlerkultur.» Überzeugt zeigte sich Schönholzer davon, dass die Unternehmen auf das Potenzial von Frauen angewiesen seien. «Wir müssen für Frauen und Männer gleiche, vorzügliche Arbeitsbestimmungen schaffen.» Dies beinhalte Lohngleichheit ebenso wie verbesserte Betreuungsmöglichkeiten für Kinder.

Hansjörg Brunner hat seit Kurzem eine andere Optik. Der FDP-Politiker sitzt seit November 2017 im Nationalrat. Geblieben ist sein politischer Fokus: «Es geht mir darum, die Unternehmen zu stärken.» Das hiesse auch, Steine aus dem Weg zu räumen. Etwa im Arbeitsrecht. «Die Arbeitszeiterfassung müsste in gewissen Bereichen flexibler werden.» Als Nationalrat will er konkret die Erhöhung der Dividendenbesteuerung bekämpfen. «Diese geht voll zu Lasten der Familien-KMU-Betriebe.» Dabei handelt es sich um eine Massnahme der Steuervorlage 17, welche die gescheitere Unternehmenssteuerreform ersetzt.

Zurück zum neuen Selbstverständnis kehrte Carlo Parolari, Kantonsrat und FDP-Fraktionschef. Unnötigerweise sei die historisch gewachsene Untertanenmentalität immer noch verbreitet. «Da müssen wir noch einen Zacken zulegen», sagte Parolari. Als positives Beispiel zur Imagepflege nannte er den Thurgauer-Auftritt an der Olma.

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