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KANTON THURGAU: Jährlich rund 470 Tote nach Treppenstürzen - Thurgauer Stiftung macht Druck auf Politiker

In der Schweiz starben 2016 mehr als doppelt so viele Menschen nach Treppenstürzen wie bei Verkehrsunfällen. Dabei braucht es wenig, um Stufen sicher zu machen. Die Terz-+Stiftung macht jetzt Druck.
Ida Sandl
René Künzli vor dem Schulhaus in Islikon. Die Treppe vor dem Haupteingang hat zwar kein Geländer, es gibt aber einen niveaufreien Zugang auf der Seite. (Bild: Andrea Stalder)

René Künzli vor dem Schulhaus in Islikon. Die Treppe vor dem Haupteingang hat zwar kein Geländer, es gibt aber einen niveaufreien Zugang auf der Seite. (Bild: Andrea Stalder)

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Strassen sind gefährlich, das weiss jedes Kind. Treppen dagegen gelten als harmlos. Falsch, ganz falsch: 2016 kamen in der Schweiz 216 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Im gleichen Jahr starben 1415 Menschen nach Stürzen. Etwa ein Drittel dieser Unfälle passierte auf Treppen. Das heisst, es gab mehr als doppelt so viele Tote nach Treppenstürzen als im Strassenverkehr.

«Die meisten dieser Stürze liessen sich mit geringem Aufwand vermeiden.» Das sagt René Künzli, Präsident der Terz-Stiftung mit Sitz in Berlingen. Die wichtigste vorbeugende Massnahme: Ein Geländer, mindestens auf einer, möglichst auf beiden Seiten. In öffentlich zugänglichen Häusern wie Spitäler, Kirchen, Heime müssten Treppen ab einer Breite von 1,5 Metern mit zwei Handläufen ausgerüstet sein.

Die gemeinnützige Terz-Stiftung setzt sich für die Belange älterer Menschen ein. Für Senioren sind Treppen eine doppelte Gefahr. Ältere Menschen sind oft nicht mehr so sicher auf den Beinen, und Stürze wirken sich bei ihnen gravierender aus als bei Jungen.

Empfehlungen fruchten nicht

Die Terz-Stiftung will jetzt den Politikern Dampf machen. Das Ziel: Die minimalen Anforderungen für sichere Treppen sollen im Gesetz festgeschrieben werden. Denn das Problem ist zwar bei der Suva und bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung bekannt. Es gibt Broschüren, jede Menge Empfehlungen, manchmal schreiben auch kantonale oder kommunale Bauerlasse vor, wie eine sichere Treppe auszusehen hat. In der Realität scheint dies alles wenig zu fruchten.

Auf der Website der Schweizer Interessengemeinschaft Treppensicherheit, mit der die Terz-Stiftung zusammen arbeitet, sind unzählige Beispiele für gefährliche Treppen aufgeführt. Fast täglich würden neue gemeldet, sagt Hanna Woiwode, die für die Seite verantwortlich ist. Darunter findet sich auch Etliches aus dem Thurgau. Der Thurgau sei weder besser noch schlechter als andere Kantone, findet Siegfried Schmid. «Die Schweiz ist, was Treppensicherheit angeht, fast ein Entwicklungsland.» Schmid ist 69 Jahre alt, gebürtiger Deutscher und Senior-Chef einer Firma, die in Deutschland und der Schweiz Handläufe herstellt und montiert.

In Amerika seien Treppen in öffentlichen Gebäuden ohne Geländer undenkbar. Hierzulande sei das Bewusstsein, dass Treppenstürze vermeidbar sind, in den Köpfen der meisten Menschen noch nicht angekommen. Schmid bedauert das. Treppengeländer müssten so selbstverständlich sein wie die Helme beim Velo- oder Skifahren. Es gehe ihm nicht um seine Firma, beteuert er. «Treppen garantierten den Zugang zum öffentlichen Leben. Sei es der Aufgang zur Kirche, zum Gemeindezentrum oder zum Arzt, selbst zu Mehrfamilienhäusern. «Fünf Stufen freihändig sind für viele Menschen nicht zu schaffen.»

Auch René Künzli denkt beim Thema Treppensicherheit nicht nur an die ältere Generation. «Es gibt viele Menschen, die eingeschränkt sind, denen man ihre Behinderung nicht ansieht.» In den meisten Fällen sei ein fehlender Handlauf keine böse Absicht. Wer selber nicht betroffen ist, dem falle das gar nicht auf.

Die Politik ist nicht interessiert

Bei den Politikern fand das Anliegen bisher wenig Gehör. An 242 National- und Ständeräte hat sich die Terz-Stiftung gewandt. Zwei haben reagiert. Künzli wundert das nicht: «Im Gegensatz zum Strassenverkehr haben Sturzopfer keine Lobby.» Er sei Unternehmer, liberal eingestellt und wolle nicht das ganze Leben in Gesetzen und Verordnungen regeln. Aber beim Thema Treppensicherheit sieht er keinen anderen Weg. Das hat Künzli auch Bundesrätin Doris Leuthard geschrieben. Leuthard schrieb zurück, das Problem sei ihr bewusst. «Ich setze mich im Rahmen meiner Kompetenzen für Verbesserungen ein.»

Die Terz-Stiftung wird aktiv: Wer auf einer Treppe gestürzt ist, soll sich melden. Mitarbeiter der Stiftung prüfen dann kostenlos die örtlichen Gegebenheiten und klären ab, ob eine Haftpflichtklage Chancen auf Erfolg hat.

Kontakt: 052 723 37 00 www.terzstiftung.ch

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