KANTON THURGAU: In einem Thurgau vor unserer Zeit

Das Schaudepot St.Katharinental zeigt Gegenstände vergangener Tage. Was für unsere Ahnen schlichter Alltag war, zieht heute staunende Besucher in Scharen an. Die Ausstellung feiert das 20-Jahr-Jubiläum.

Christof Lampart
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Zurück in die Vergangenheit: Am Wochenende öffnete das Schaudepot St. Katharinental in Diessenhofen seine Tür. (Bild: Reto Martin)

Zurück in die Vergangenheit: Am Wochenende öffnete das Schaudepot St. Katharinental in Diessenhofen seine Tür. (Bild: Reto Martin)

Während es draussen tröpfelte, strömten zahlreiche Besucher ins Schaudepots St.Katharinental bei Diessenhofen, das eine Dependance des Historischen Museums des Kantons Thurgau ist. Dessen Kurator, Peter Bretscher, war während der letzten 20 Jahre mit dem ständigen Aufbau und der immerwährenden Erweiterung des volkskundlichen «Depots» beschäftigt.

An diesem Samstag durfte Bretscher (wieder einmal) die Früchte seiner Anstrengungen ernten, denn die kurzweiligen Vorträge waren ebenso gut frequentiert wie die Festwirtschaft. Und das gute Dutzend an Personal, das sich auf dem Vorplatz und die vier Stockwerke verteilte, gab praktisch pausenlos Auskünfte über Gegenstände und Handwerke, welche unseren Ahnen keine Frage wert gewesen wären, weil sie zu ihrer Zeit eine Selbstverständlichkeit darstellten. Fertigkeiten wie das Spinnen am Spinnrad beispielsweise oder das Mosten der Äpfel.

Schaudepot St. Katharinental (Bild: Reto Martin)
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Schaudepot St. Katharinental (Bild: Reto Martin)
Schaudepot St. Katharinental (Bild: Reto Martin)
Schaudepot St. Katharinental (Bild: Reto Martin)
Schaudepot St. Katharinental (Bild: Reto Martin)
Schaudepot St. Katharinental (Bild: Reto Martin)
Schaudepot St. Katharinental (Bild: Reto Martin)

Schaudepot St. Katharinental (Bild: Reto Martin)

Sinnbild für den Thurgau

Einer, der ganz entzückt seine Runden drehte, war der 96-jährige Robert Sallmann. Der ehemalige Patron der Amriswiler Textilfirma ISA begeistert sich für alles, was mit Geschichte und Volkskunde zu tun hat. «Ich bin heute extra von Amriswil hergekommen, um mir das Depot genau anzuschauen. Ich kann gar nicht sagen, wie gut mir es hier gefällt», erklärt der bekannte Kutschensammler. Er absolvierte den Rundgang per Lift, Rollator und Privatführung durch Peter Bretscher.
«Herr Sallmann hat unserem Museum schöne Geschirre geschenkt, wofür wir ihm sehr dankbar sind», so Bretscher. Dankbar ist auch der Kulturhistoriker Peter W. Kopp, der eigens aus dem Kanton Freiburg, genau genommen aus St. Ursen, angereist ist, um an diesem Tag dabei zu sein. «Ich kenne Peter Bretscher schon länger, hat er mir doch schon bei Forschungen geholfen. Ausserdem ist das Schaudepot St.Katharinental für mich, neben der Kartause Ittingen, eines von zwei Bauwerken, welche für mich sinnbildlich für den Thurgau stehen», so Kopp begeistert.


Von Scheren und Bernhardiner

Ganz sicher dankbar sind an diesem Wochenende auch die vielen Menschen, die zum Besuch ins St.Katharinental gekommen sind. Nämlich dafür, dass sich das Schaudepot mit den Jahren so vergrössert hat – sonst würde man sich hier unweigerlich auf den Füssen stehen.
Und «Landjäger Nägeli» hätte es noch schwieriger, dass sein Fahndungsaufruf gehört wird: «Wir suchen einen Mann, der zwei Scheren und ein Rasiermesser im Wert von sieben Franken entwendet hat. Helfen Sie uns!» Der ernste Ton des Schauspielers macht einem fast glauben, dass es anno 1896 in und um Diessenhofen keine dringlicheren Vorkommnisse in Sachen Kriminalität gegeben haben könnte.

Doch der Schein trügt. Ein Blick auf den Fahndungszettel zeigt, dass etwa auch ein Bernhardiner – «Wert 120 Franken» – wohl «entführt oder entlaufen» sei. «Falls Ihnen jemand auffallen sollte, dann können Sie sich diskret an mich wenden. Und wenn sie etwas bellen hören, sowieso», raunt der «Landjäger Nägeli» in seiner Uniform einem zu und stiefelt, im Bewusstsein, seine Pflicht ein weiteres Mal erledigt zu haben, gelassen weiter.

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