KANTON THURGAU: Erntezeit beim Hanf-Mann

Patric Rinderknecht pflanzt in Hefenhofen Cannabis an, das zu Speiseöl verarbeitet wird. Er ist einer von wenigen im Thurgau, die das Kraut legal und im grossen Stil anbauen. Zum Rauchen ist es nicht geeignet, trotzdem erhält der Bauer manchmal «Besuch».

Martin Rechsteiner
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Patric Rinderknecht freut sich über das trockene Wetter. Endlich kann der Mähdrescher den Hanf ernten. (Bild: Donato Caspari)

Patric Rinderknecht freut sich über das trockene Wetter. Endlich kann der Mähdrescher den Hanf ernten. (Bild: Donato Caspari)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@

thurgauerzeitung.ch

Zu Beginn gibt es ein Problem. Endlich hätte das Wetter für die Hanfernte gestimmt. Trocken muss es sein. Denn Feuchtigkeit wäre schlecht für die frisch geernteten Hanfsamen. Und der Boden darf ebenfalls nicht zu weich sein, muss er doch den tonnenschweren Mähdrescher tragen. Die zähen Fasern der Hanfpflanze zwingen das gelbe Ungetüm aber in die Knie, wickeln sich um seine Haspeln und Messer. Patric Rinderknecht rennt hin und her, versucht, die Pflanzen aus dem Schneidegerät der Maschine zu entfernen. Nach kurzer Zeit frisst sie sich wieder mit viel Getöse und im Schritttempo durch das hochgewachsene Feld.


Rinderknecht ist sehr zufrieden. Trotz der Schwierigkeiten. Schliesslich ist sein Hanfanbau immer noch im Versuchsstadium. «Seit vergangenem Jahr pflanzen wir ihn auf unseren Feldern an», sagt der 38-Jährige. «Und es klappt immer besser.»

Vom Kifferkraut zum Küchenschlager

Hanf hatte zuweilen einen zweifelhaften Ruf, vor allem als Droge, streift diesen aber zusehends ab. Denn er kann mehr als nur berauschen. Besonders in der Küche erfreut sich Hanf in Form von Tee, als Gewürz oder Öl einer wachsenden Beliebtheit. Da dafür Sorten verwendet werden, die kaum oder gar kein berauschendes THC enthalten, ist deren Konsum unbedenklich.

Und genau solche Sorten baut Patric Rinderknecht an. Stolz steht er auf seinem Feld, braungebrannt, in schweren Schuhen, seine Hände überzogen mit einer Dreckschicht. «Auf diesem Feld wächst eine Art mit dem Namen Fedora 17», sagt er. «Alles legal und genehmigt vom Thurgauer Landwirtschaftsamt.» Die Samen der Pflanze erinnern an Pfefferkörner und eignen sich gut zur Speiseölproduktion.

«Das Kraut zu rauchen bringt nichts, der THC-Wert der Sorte tendiert gegen null.» Trotzdem sehe er immer wieder Leute auf der angrenzenden Strasse anhalten und das Feld neugierig betrachten. «Manche schneiden sogar einzelne Pflanzen ab und nehmen sie mit», sagt Rinderknecht und lacht. «Sollen sie», fährt er fort, «das wird ihnen nicht viel bringen.» Der Rauchgenuss bleibe mit Sicherheit aus.

Nach Soja ins Hanfgeschäft

Aus der Ferne sieht der Hanf auf Rinderknechts Feld eher aus wie Schilf. Über drei Meter hoch wuchern die Pflanzen der Sorte Fedora 17. Der Geruch ist aber unverkennbar, die Blüte auch, aus der Nähe betrachtet. «Ich liebe Hanf», gesteht Rinderknecht. In Sachen landwirtschaftlicher Hanfanbau ist er einer der Pioniere im Thurgau. «Zuvor haben wir Soja angebaut, sind letztes Jahr aber umgestiegen.» Dies, weil der Soja-Markt gesättigt war. «Ich habe nach Alternativen gesucht, bin ziemlich schnell auf Hanf gestossen und habe Sorten gesucht, die sich in der Schweiz legal für die Landwirtschaft anbauen lassen.» Seine Geschäftspartnerin, die Firma St. Galler Öl, welche ihm zuvor das Soja abgekauft hatte, war damit einverstanden. Seit da experimentiert Rinderknecht mit verschiedenen legalen Sorten für die Nahrungsmittelindustrie. Auf rund 3,5 Hektaren Ackerland pflanzte er dieses Jahr Hanf an.

Der Hof ist ein Familienunternehmen. Rinderknecht führt ihn in dritter Generation mit seiner Frau und den beiden Kindern. Dazu beschäftigen sie einen Lernenden und einen Mitarbeiter. Nebst Ackerbau betreiben sie Milchwirtschaft mit 75 Kühen. «Man muss verschiedene Standbeine haben. Dass neu auch Hanf dazugehört, freut mich», sagt Rinderknecht zufrieden. Dabei soll es auch die kommenden Jahre bleiben. Das bekräftigt auch ein besonderes Schmuckstück über dem Eingang zu Rinderknechts Scheune: Gross prangt dort ein grünes Hanfblatt aus Holz.