Kanton Thurgau entschädigt 73jähriges Opfer

5000 Franken erhält ein Mann vom Kanton Thurgau. Dieser war im vergangenen Jahrhundert, ohne eine Straftat begangen zu haben, in verschiedene Anstalten eingewiesen worden. Unter anderem in Kalchrain.

Merken
Drucken
Teilen

FRAUENFELD. Der Kanton Thurgau hat einem heute 73jährigen Opfer der administrativen Versorgung durch Fürsorgebehörden eine Entschädigung von rund 5000 Franken zugesprochen. Der Betrag sei dem Mann aus humanitären Gründen als Wiedergutmachung ohne rechtliche Folgen gewährt worden, sagt Kurt Knecht, stellvertretender Generalsekretär des Departements für Justiz und Sicherheit des Kantons Thurgau (DJS), auf Anfrage.

Unschuldig in der Anstalt

Der Mann war Ende der 1950er-Jahre wegen «Arbeitsscheu» und «liederlichen Lebenswandels» unter Vormundschaft gestellt, psychiatrisch begutachtet und anschliessend während sechs Jahren in verschiedene Anstalten eingewiesen worden, ohne dass er eine Straftat begangen hätte. Unter anderem war er von 1964 bis 1966 in der thurgauischen Arbeitserziehungsanstalt Kalchrain untergebracht.

Entschädigung verlangt

Im Zuge der Diskussionen um die Aufarbeitung der Geschichte von Opfern von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen verlangte der heute 73jährige Mann vom Kanton Thurgau eine Entschädigung für die von ihm in der Anstalt seinerzeit geleistete Arbeit. Beim Austritt hatte er lediglich rund 60 Franken erhalten, wie aus den Akten hervorgeht.

Nach Prüfung der Dokumente, die der Mann beschafft und den Departementsvertretern des Kantons unterbreitet hatte, kam der Regierungsrat des Kantons Thurgau zum Schluss, dem Ersuchen aus humanitären Erwägungen zu entsprechen. Der betreffende Mann lebt auf dem Existenzminimum. (rhg)