Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KANTON THURGAU: «Die Kunststoffsammlung wird sich weiter etablieren»

Der Kanton und der Verband KVA Thurgau setzen darauf, dass sich der Kuh-Bag weiter etabliert. Die Sammlung ist auf gutem Weg – die Sammelmenge hat sich im zweiten Projektjahr verdoppelt.
Larissa Flammer
Die Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa analysierte die Zusammensetzung der im Kuh-Bag entsorgten Kunststoffe. (Bild: PD)

Die Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa analysierte die Zusammensetzung der im Kuh-Bag entsorgten Kunststoffe. (Bild: PD)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

«Unfassbar riesige» Mengen von Plastik treiben auf dem offenen Meer. Umweltdirektorin Carmen Haag bemühte an der gestrigen Pressekonferenz zum Abfall­bericht 2017 das Bild von verendeten Delfinen. Die Regierungsrätin wies darauf hin, dass das ­Recyclingbewusstsein in der Schweiz zwar hoch sei und Plastik nicht mehr unmittelbar im Meer lande. Trotzdem werde noch «viel zu häufig» Plastik verbrannt statt wiederverwertet.

2013 holte das Thurgauer Amt für Umwelt den Verband KVA Thurgau und den Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) sowie private Entsorgungsfirmen an einen runden Tisch. Entstanden ist der Kuh-Bag, der bis Herbst 2017 während zwei Jahren als Pilotprojekt getestet wurde. «Unsere Kunden haben das super gemacht», sagt Peter Steiner, Geschäftsführer von KVA Thurgau. Das gesammelte Material hatte eine hohe Qualität. Einer der Hauptkritikpunkte am Kuh-Bag, nämlich dass er die Sammlung von PET-Flaschen konkurrenziert, hat sich nicht bewahrheitet. Im Kuh-Bag landeten während den beiden Projektjahren nur 0,8 Prozent PET-Flaschen. «Die Kunden unterscheiden also gut zwischen den verschiedenen Kunststoffsammlungen», sagte Steiner.

Transport fällt kaum ins Gewicht

Das Thurgauer Amt für Umwelt und die Abfallverbände haben die Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa beauftragt, das Projekt Kuh-Bag zu analysieren. Unter anderem haben die Forscher ganze Container voller Kuh-Bags ausgeleert und die Kunststoffe untersucht. «Ich war selber einen Tag dabei», erzählte Steiner an der Medienkonferenz.

Die Forscher haben auch die verschiedenen Recyclingketten der Kuh-Bags analysiert. Die Kunststoffe werden in mehreren Schritten sortiert, aufbereitet und schliesslich wiederverwertet. Ein Kritikpunkt sind die langen Transportwege; sortiert und wiederverwertet werden die Kunststoffe hauptsächlich im Ausland. «Erst ab 10000 Tonnen Kunststoff pro Jahr liesse sich eine Anlage wirtschaftlich betreiben», erklärte Peter Steiner. Mit dem Kuh-Bag kamen im zweiten Projektjahr erst 500 Tonnen zusammen. Steiner ist aber zuversichtlich, dass auch in der Schweiz bald solche Anlagen eröffnet werden. «Der Transport spielt in der Ökobilanz des Kuh-Bags eine absolut untergeordnete Rolle», ergänzte Martin Eugster vom kantonalen Amt für Umwelt.

Weitere ­Etablierung

Dass der Kuh-Bag künftig wie der Kehricht vor der Haustür abgeholt wird, verneinen die Verantwortlichen. Ein Versuch mit dem Holsystem in Wil hat gezeigt, dass die Qualität der Sammlung schlechter ist und die Sammelmenge sich während der Projektphase weniger stark vergrössert hat als beim Bringsystem. Ausserdem müsste die Sackgebühr bei einem Holsystem von zwei Franken auf vier Franken verdoppelt werden. Trotzdem gibt es heute bereits einige Gemeinden, welche die Säcke in eigener Initiative einsammeln.

Carmen Haag freut sich über den Erfolg des Projekts und dass der Kuh-Bag weiter bestehen bleibt. «Die gemischte Kunststoffsammlung wird sich vermutlich von alleine weiter etablieren und die Steigerung während der Projektjahre sich fortsetzen», sagte sie. Die Skepsis, die dem Projekt zu Beginn entgegengebracht wurde, habe mit der hohen Qualität der Sammlung widerlegt werden können. Der Kanton werde bei jeder Gelegenheit auf den Kuh-Bag hinweisen. Eine Kampagne zur weiteren Forcierung sei jedoch nicht geplant.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.