KANTON THURGAU: Der Wolf hat einen Namen

Fünf Schafe hat er im Thurgau gerissen. Nun ist er identifiziert. Beim Wolf handelt es sich um ein junges, männliches Tier mit Namen M75. Er kam aus dem Süden.

Marc Sieger
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Die letzte Spur führt nach Laufen-Uhwiesen in Zürich. Dort hatte der Wolf Anfang März ein Schaf gerissen. Zuvor wanderte das Tier durch den Thurgau. In Hohentannen riss er auf zwei verschiedenen Weiden vier Schafe. In Uesslingen erbeutete er ein weiteres Tier. Der Weg des Wolfes führte weiter über Heiden und Andelfingen. Nach den ersten Vorfällen wurde spekuliert, ob es sich beim Raubtier um einen Wolf handelt. Mit der Zeit erhärtete sich der Verdacht. Die Rissbilder haben schliesslich unmissverständlich auf einen Wolf hingedeutet. Nun weiss man auch, woher er kommt.

Der Wolf kommt aus dem Süden

Die im zürcherischen Laufen-Uhwiesen gefundenen Spuren wurden vom Laboratoire de Biologie de la Conservation de l’Université de Lausanne analysiert. Wie sich dabei zeigte, kommt der Wolf aus dem Süden. Wie der Kanton Zürich mitteilt, decken sich die in Laufen-Uhwiesen gefundenen genetischen Nachweise mit solchen aus den Kantonen Tessin und Graubünden. Dort wurden in den vergangenen Monaten bereits mehrere Schafrisse vermeldet. Urs J. Philipp, Leiter Fischerei und Jagverwaltung des Kantons Zürich, ist sich sicher, dass es sich bei M75 auch um den Thurgauer Wolf handelt.

M75 kann überall sein – auch zurück im Thurgau

Bei M75 handelt es sich laut Philipp um ein junges, etwa zwei Jahre altes, männliches Tier. «Diese sind nicht an ein bestimmtes Gebiet gebunden und ziehen auf der Suche nach einer Partnerin oder einem neuen, eigenen Revier oft weit umher.» Gut 70 Kilometer könne ein Wolf in diesem Alter pro Tag zurücklegen, erklärt Philipp. Daher könne man auch unmöglich sagen, wo sich M75 zurzeit aufhält. «Wenn man sieht, wie weit er in den vergangenen Wochen bereits gekommen ist, könnte er mittlerweile überallhin, in jede Himmelsrichtung, weitergezogen sein.» Auch eine Rückkehr des Wolfes in den Thurgau schliesst Philipp nicht aus. M75 ist alleine und nicht im Rudel unterwegs. Dies gehe aus den gefundenen Spuren hervor, wie Philipp erklärt. «Wir konnten nur dieses Individuum nachweisen.»

M75 könnte zum Problemwolf werden

Philipp schätzt M75 als eher problematischen Wolf ein. «Er ist schon auffällig.» Schon die Schafrisse im Graubünden und im Tessin hätten gezeigt, dass der Wolf M75 nicht davor zurückschreckt, in bewohnten Gebieten zu jagen. Auch der Vorfall in Laufen-Uhwiesen fand in Siedlungsnähe statt. Dort riss der Wolf das Schaf auf einem Rebberg in der Nähe von Behausungen. «Das ist nicht normal für einen jungen Wolf», sagt Philipp. M75 wird zurzeit aber nicht beobachtet oder verfolgt. «Es gibt keine Möglichkeit herauszufinden, wo er ist», sagt Philipp. Einzige Anhaltspunkte seien zufällige Beobachtungen, Spuren oder gerissene Herdentiere.