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KANTON THURGAU: Carmen Haag zum Fall Candrian: «Wir waren wohl zu gutgläubig»

Regierungsrätin Carmen Haag war erst eineinhalb Monate im Amt, als sie Maurus Candrian einstellte. Heute würde die Thurgauer Baudirektorin das nicht mehr tun. Und sie lässt sich in diesem Fall auch Gutgläubigkeit vorwerfen.
Christian Kamm
Als wir bei der Einstellung mit Herrn Candrian gesprochen haben, sagte er uns, dass er Hilfe angenommen habe. (Bild: Donato Caspari)

Als wir bei der Einstellung mit Herrn Candrian gesprochen haben, sagte er uns, dass er Hilfe angenommen habe. (Bild: Donato Caspari)

Carmen Haag, jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient, heisst es. Auch jemand, der Menschen, die Juden getötet haben, als Helden bezeichnet?
Carmen Haag:
Als wir bei der Einstellung mit Herrn Candrian gesprochen haben, sagte er uns, dass er Hilfe angenommen habe. Auch habe er sich bei der israelischen Botschaft und beim israelitischen Gemeindebund entschuldigt. Ich hatte den Eindruck, einen Menschen vor mir zu haben, der bedauerte, was er gemacht hatte.

Sie waren damals bereits Departementschefin?
Ja, seit eineinhalb Monaten.

Gab es keine warnenden Stimmen?
Die personelle Auswahl wurde beim Tiefbauamt getroffen. Das Geschäft kam erst ganz zum Schluss zu mir. Was ich aber damals gemacht habe: Ich sprach mit dem damaligen St. Galler Regierungsrat Willi Haag über seinen ehemaligen Mitarbeiter. Und fragte ihn nach seiner Meinung. Er hat ihm ein gutes Zeugnis ausgestellt.

Wurden Herrn Candrian bei der Anstellung konkrete Auflagen gemacht?
Wir sagten ihm klar, dass wir keinerlei Aktivitäten oder Äusserungen in dieser Richtung tolerieren werden.

Jetzt hat Maurus Candrian wieder mit hetzerischen Äusserungen über Israel auf sich aufmerksam gemacht. Wie haben Sie davon erfahren?
Die Zeitung «Blick» hat mir am Mittwochmittag ein Mail geschrieben und mich mit diesen Informationen konfrontiert.

Ihr Vertrauensvorschuss wurde nicht belohnt.
Der wurde eindeutig nicht belohnt. Aus diesem Grund war für uns auch klar, dass diese Zusammenarbeit nicht weitergehen kann.

Hat Candrian von sich aus gekündigt?
Das ist so. Es gab noch am Mittwoch ein Gespräch mit ihm. Am Schluss dieses Gesprächs hat er gekündigt.

Gab es vorher nie Hinweise darauf, dass Candrian wieder in antisemitischer Richtung aktiv ist?
Ich hatte keinerlei Anhaltspunkte. Maurus Candrian hat beinahe vier Jahre im kantonalen Tiefbauamt gearbeitet. In dieser Zeit wurden mir keine entsprechenden Aktivitäten gemeldet.

Wenn man einen potenziellen Problemfall einstellt, braucht er auch spezielle Aufmerksamkeit. Hat sich das Baudepartement in dieser Hinsicht nichts vorzuwerfen?
Es wäre damals einfacher gewesen, Herrn Candrian nicht einzustellen. Dann hätten wir uns diesem Risiko nicht ausgesetzt. Für uns aber stand der Mensch im Vordergrund, und wir hatten das Gefühl, dass auch er eine zweite Chance verdient. Rückblickend waren wir wohl zu gutgläubig. Diese Gutgläubigkeit lasse ich mir auch vorwerfen.

Ändert der Fall Candrian etwas an Ihrer Haltung in solchen Fragen?
In der gleichen Situation, aber mit dem heutigen Wissensstand , würde ich anders handeln und ihn nicht mehr einstellen. Ob das nun bedeutet, dass ich jemand anderem auch keine zweite Chance mehr geben würde, kann ich so pauschal nicht beantworten.

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