Kanton spielt den Ball weiter

Hündeler wehren sich gegen die neue Benutzerordnung in der Grossen Allmend. Im Juli haben sie darum beim Kanton eine Bittschrift eingereicht. Dieser hat nun reagiert, reicht sie aber an Bund und Stadt weiter.

Samuel Koch
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In der Grossen Allmend Frauenfeld müssen Hunde an die Leine und dürfen sich nicht mehr in der Thur austoben. Bild: Andrea Stalder (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

In der Grossen Allmend Frauenfeld müssen Hunde an die Leine und dürfen sich nicht mehr in der Thur austoben. Bild: Andrea Stalder (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Tom Brechet aus Pfyn ist seit Jahren oft mit seinen zwei Whippet-Hunden in der Grossen Allmend in Frauenfeld unterwegs. Seit der neuen Benutzerordnung Anfang März gelten dort unter anderem auch für Hündeler neue Regeln. Deshalb hat er Gegner hinter sich geschart, rund 1400 Unterschriften gesammelt und die Petition mit dem Namen «Offene Allmend Frauenfeld» beim Kanton eingereicht. Brechet setzt sich dafür ein, dass die Hündeler einen Streifen zwischen Damm und Thur zurückbekommen.

Mit Schreiben von Anfang September reicht das zuständige Departement für Bau und Umwelt (DBU) die Bittschrift weiter. Einerseits sei der Bund als Eigentümer der Grossen Allmend für die neue Benutzerordnung verantwortlich, andererseits die Stadt Frauenfeld mit der Verordnung über das Naturschutzgebiet Allmend Frauenfeld. «Daraus folgt, dass der Bund und die Stadt Frauenfeld – nicht der Kanton – für allfällige Anpassungen zuständig sind», steht im DBU-Schreiben. Für das Weggebot und den Leinenzwang für Hunde zeigt der Kanton jedoch Verständnis.

«Das ist doch Behörden-Pingpong»

Überrascht ist Tom Brechet von der Antwort des Kantons nicht. «Ich habe nichts erwartet», sagt er. Seltsam sei vielmehr, dass ihm bei der Stadt Frauenfeld zuvor gesagt wurde, er solle die Unterschriften beim Kanton einreichen. «Und jetzt geht es wieder zurück – das ist doch Behörden-Pingpong», meint er. Wichtig ist ihm aber, dass der Kanton das Ziel formulierte, den Auenwald, die Gewässer, Feuchtflächen, Hecken und Magerwiesen als Lebensraum für seltene, gefährdete und geschützte Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. «Das wollen wir auch, hat mit unserem Wunsch für ein Stück Thurvorland aber nichts zu tun», sagt Brechet.

In letzter Zeit habe er immer weniger Hündeler in der Grossen Allmend angetroffen. Trotzdem kämpft er weiter dafür, seine Hunde frei laufen lassen zu können. «Unsere Forderung ist inklusive aller Schutzmassnahmen umsetzbar, wenn die Politik nur will», sagt er. Jetzt erhofft er sich einen stichfesten Entscheid, damit er seine weitere Strategie festlegen kann.

«Die Grosse Allmend ist im Eigentum des VBS»

Urs Müller, Frauenfelder Stadtrat und zuständiger Departementsvorsteher, relativiert den Vorwurf, wonach die Petition von einer Behörde zur anderen weitergereicht wird. «Das Petitionsschreiben war klar an die kantonalen und eidgenössischen Behörden gerichtet.» Der landwirtschaftliche Begriff «Allmend» mit der Bedeutung Gemeinschaftsbesitz treffe eben bei der Grossen Allmend nicht zu. «Das Land ist im Eigentum des VBS», und deshalb stelle dieses auch die Regeln auf.

Einerseits sei zwischen der neuen Benutzerordnung und der städtischen Verordnung über das Naturschutzgebiet zu differenzieren. Erstere verfolge das Ziel, die verschiedenen Nutzungsansprüche auf der Allmend zu regeln. Letztere beschränke sich auf das Naturschutzgebiet Hau und Äuli innerhalb des Waffenplatzes, wobei deren Grenze etwas angepasst und die Schonzeit verlängert wurde. «Die Verordnung wurde im März 2015 durch den Stadtrat in Kraft gesetzt», sagt Müller. Die Verordnung selbst und eine Leinenpflicht bestanden bereits seit Jahren. «Die neue VBS-Benutzerordnung wurde in einer Projektgruppe unter Federführung und Verantwortung des Bundes erarbeitet», sagt Müller. Die Stadt habe bei der Forderung der Hündeler nach einem Streifen auf dem Thurvorland also keine Entscheidungskompetenz. Die Armee und damit der Bund als Eigentümer werde sich um die Hündeler-Petition kümmern müssen. «Dies soll in Absprache mit uns erfolgen», sagt er.

Bei der Armasuisse, der Immobilienverwalterin des VBS, war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Urs Müller Stadtrat Frauenfeld, Departement für Bau und Verkehr Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Urs Müller Stadtrat Frauenfeld, Departement für Bau und Verkehr Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Tom Brechet Petitionär «Offene Allmend Frauenfeld» Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Tom Brechet Petitionär «Offene Allmend Frauenfeld» Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))