Kanton soll Firmen aktiver ansiedeln

Der Kanton Thurgau ist ein attraktiver Unternehmensstandort. Bei den Steuern und bei den Rahmenbedingungen gebe es aber noch Spielraum für ein progressiveres Standortmarketing, sagen Wirtschaftsvertreter.

Daniel Daester
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Peter Maag Direktor Industrie- und Handelskammer Thurgau

Peter Maag Direktor Industrie- und Handelskammer Thurgau

Frauenfeld. Der Kanton Thurgau verliere in bezug auf die Unternehmenssteuern seine gute Position, besagt eine neue Studie der HSG, die der Regierungsrat in Auftrag gegeben hat (TZ von gestern). Der Grund: Andere Kantone senkten ihre Steuern teils massiv. Regierungsrat Bernhard Koch folgert aus der Studie, dass sich der Kanton mehr auf Firmenansiedlungen und weniger auf Neuzuzüger konzentrieren soll.

Gleicher Meinung sind Vertreter von Wirtschaft und Politik. Sie schlagen allerdings unterschiedliche Strategien vor, wie eine Umfrage der TZ zeigt. Sehr gut steht der Thurgau gemäss Studie bei den Vermögenssteuern da. Doch Peter Maag, der Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau, ortet gerade in diesem Bereich Nachholbedarf. «Was ich oft höre, sind Klagen über die hohen Vermögenssteuern von Firmeninhabern.»

Das Problem dabei: Ein Firmeninhaber muss sein Unternehmen auch als Vermögen und damit quasi zweifach versteuern. «Lösen könnte man dieses Problem beispielsweise, indem man eine eigene Kategorie für die Besteuerung dieser Vermögen schafft», schlägt Maag vor.

Erfolg für den Thurgau

Für den Thurgau ist die Firma Swift, die vor kurzem den Spatenstich zu ihrem neuen Rechenzentrum in Diessenhofen setzte, ein Beispiel für eine erfolgreiche Ansiedlung.

Bei dieser Firma spielten weiche Faktoren eine wichtige Rolle: «Das Willkommensein, ein gewisses Heimatgefühl war bei Swift neben der Sicherheit des Standortes eine wichtige Entscheidungsgrundlage», sagt der Stadtammann von Diessenhofen, Walter Sommer. Die Steuern waren nach seinen Angaben beim internationalen Übermittler von Finanznachrichten nicht ausschlaggebend. Das Beispiel zeigt, dass der Fokus beim Standortmarketing nicht nur auf den Steuern liegen darf.

Entsprechend setzt der Kanton auf «Infrastruktur, Bildung, Arbeitskräfte und eine möglichst speditive Verwaltung», sagt Edgar Sidamgrotzki, der Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Daneben würde er eine Senkung der Unternehmenssteuer begrüssen, wie sie die Studie vorschlägt.

Einzelne Firmen fördern

Wichtig seien für den Thurgau Unternehmen, die nicht nur wegen finanzieller Anreize den Standort wechseln, sagt der AWA-Chef. So ist das Fördern einzelner Unternehmen beispielsweise mit Bürgschaften für den Kanton keine Option.

Dies, obschon die gesetzliche Grundlage dazu vorhanden wäre. Solche zusätzlichen Anreize könnten aber in Spezialfällen durchaus sinnvoll sein, meint dazu Sommer. Massnahmen, die mehr auf Einzelfälle eingehen, wünscht sich auch Maag. «Man sollte sich Gedanken machen, welche Art Firmen wo Sinn machen, und mit einem Konzept Standortförderung betreiben.»

Erwünscht sind laut Sidamgrotzki in erster Linie Unternehmen, die in der Hand eines Inhabers liegen und im produzierenden Sektor angesiedelt sind. Kleinere Firmen mit innovativen Ideen seien besonders willkommen. «In solchen Betrieben liegt grosses Entwicklungspotenzial.»

Ein wenig neidisch schaut man auf den Nachbarkanton Schaffhausen. «Er war in den letzten Jahren sehr aktiv und hat grosse Fische an Land gezogen», sagt Maag. Das Beispiel Schaffhausen könne zwar nicht direkt auf den Thurgau übertragen werden.

Die Wirtschaftsförderung sollte aber eine aktivere Ansiedlungspolitik betreiben, so Maag.

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