Kanton schränkt Äschenfang ein

Der Äschenbestand im Rhein ist immer noch kritisch. Die Fischer dürfen diesen Herbst und Winter darum noch weniger der gefährdeten Fische fangen als letztes Jahr. Der Entscheid des Kantons sorgt für Unruhe unter den Fischern.

Christof Widmer
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Fischer (hier bei der Rheinbrücke von Stein am Rhein) müssen aufpassen, wie viele Äschen sie an Land ziehen. (Archivbild: Stefan Schaufelberger)

Fischer (hier bei der Rheinbrücke von Stein am Rhein) müssen aufpassen, wie viele Äschen sie an Land ziehen. (Archivbild: Stefan Schaufelberger)

FRAUENFELD. Kurz vor Beginn der Äschen-Saison haben die Kantone Thurgau und Schaffhausen die bisherigen Fangbeschränkungen verschärft. Neu dürfen die Fischer pro Tag nur noch drei Äschen ab einer Länge von 30 Zentimetern fangen. Zum Fang berechtigt sind Patentinhaber oder Pächter. Letztes Jahr durften noch fünf Äschen pro Tag gefangen werden. Neu schränken die Kantone auch die Gesamtmenge ein. Von Anfang Oktober bis Ende Februar darf ein Fischer nur 75 Äschen fangen. Ausserhalb dieser Zeit darf wie bisher keine Äsche gefangen werden.

«Die Einschränkung ist klar biologisch begründet», sagt der Thurgauer Fischereiaufseher Mirco Müller. Die regelmässigen Versuchsfänge zeigten, dass die Altersstruktur im Äschenbestand nicht stimmt. «Ältere Fische fehlen», sagt Müller. Fortpflanzen kann sich eine Äsche erst mit zwei Jahren. Zudem habe es im Frühling einen schlechten Laichertrag gegeben. Somit können weniger Jungfische ausgesetzt werden.

Schnellere Erholung erhofft

Die Einschränkung war von der Arbeitsgruppe zur Rettung der Rheinäsche empfohlen worden. Dort sind Fischereivertreter und kantonale Experten aus dem Thurgau sowie aus Schaffhausen und Zürich vertreten. Wenn die Fischer weniger geschlechtsreife Äschen aus dem Wasser ziehen, kann sich der Bestand schneller erholen, lautet die Rechnung.

Unter den betroffenen Fischern hat der Entscheid der Kantone aber gleichwohl für Ärger gesorgt. Eine «gewisse Unruhe unter den Fischern» bestätigt auch Michael Decrausaz von der Fischerzunft Diessenhofen, der Pachtinhaberin für den Rheinabschnitt. Ihn stört vor allem, dass die Fischer erst zwei Wochen vor Saisonbeginn informiert worden sind. «Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden.»

Die Fischer seien aber nicht gegen den Schutz der Äsche, stellt Decrausaz klar. Sie selber engagierten sich schliesslich stark für den Fisch – etwa mit dem Aussetzen von Jungfischen oder mit der Kormoran-Wacht.

Statt der Einschränkung wäre es den Fischern lieber gewesen, wenn die Kantone noch etwas abgewartet hätten, wie sich der Äschenbestand entwickelt. Die Fischer reagierten ohnehin selber, wenn sie merken, dass der Bestand abnimmt, sagt Decrausaz: «Wir wollen den Fisch ja erhalten.» Er hofft, dass sich der Bestand rasch verbessert, so dass die Einschränkungen wieder gelockert werden können. Allerdings machten der Äsche nicht nur der Kormoran zu schaffen. Auch die rege Freizeitnutzung des Rheins schade den Fischen, weil sie kaum mehr Rückzugsmöglichkeiten fänden, sagt Decrausaz.

Seepolizei kontrolliert Fischer

Ob sich die Fischer an die Einschränkung halten, werden die Kantone überprüfen. Gemeinsam mit der Schaffhauser Fischereiverwaltung und der Seepolizei werden Kontrollen durchgeführt, kündigt Fischereiaufseher Müller an. Auch die Kontrolle der Fischer untereinander funktioniere. Wirtschaftliche Einbussen haben die Fangbeschränkungen laut Müller nicht. Die Äsche werde vor allem für den Eigenbedarf gefangen.