Kanton Ostschweiz chancenlos

Der Grosse Rat will nichts wissen von einem Bericht zur Vision eines Kantons Ostschweiz. Das sei vergeudete Energie und Zeit.

Markus Schoch
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Die beiden CVP-Politiker Willy Weibel (Balterswil) und Luzi Schmid (Arbon) standen gestern ziemlich alleine da mit ihrer Forderung nach einem umfassenden Bericht, der aufzeigen sollte, was aus Sicht des Thurgaus für und gegen einen Kanton Ostschweiz spreche. Abgesehen von einer Mehrheit der eigenen Fraktion und FDP-Kantonsrat August Krucker (Rickenbach) versagten ihnen alle die Unterstützung. Der Antrag hatte keine Chance im Parlament: Es schmetterte ihn mit 70 gegen 18 Stimmen ab.

Macht keinen Sinn

Die Zeit für einen Kanton Ostschweiz sei noch lange nicht reif. Also könne man sich jetzt eine Auslegeordnung ersparen, sagte Max Arnold (SVP, Weiningen.) Ähnlich argumentierte Martin Klöti (Arbon) namens der FDP: «Der Kanton Ostschweiz macht keinen Sinn.» Und darum brauche es auch keinen Bericht, von dem zudem keine neuen Erkenntnisse zu erwarten seien. Der Kanton Thurgau sei lebendig und habe bewiesen, dass er an der Spitze mithalten könne, sagte Klöti. Kantonsübergreifende Probleme liessen sich gut mit Konkordaten und Konferenzen lösen.

«Sie haben sich bewährt.»

Weniger Einfluss

Auch die SP sah grossmehrheitlich keinen Grund, warum es zur regierungsrätlichen Stellungnahme auf sieben Seiten noch einen dicken Bericht in gleicher Sache brauchen sollte. Gegen einen Kanton Ostschweiz spricht gemäss Sonja Wiesmann (Sirnach) vor allem, dass der Thurgau an Einfluss auf nationaler Ebene verlieren würde. Diesen Punkt wertete auch Martin Stuber (SVP, Ermatingen) negativ. «Wir hätten dann wahrscheinlich keinen Ständerat mehr.

» Der Thurgau sei ein «wunderschönes Stück Land», das mit einem künstlichen Gebilde in Form eines Kantons Ostschweiz zerstört würde, sagte Stuber.

Thurgau hat gute Grösse

Den Grünen genügte die regierungsrätliche Antwort ebenfalls. «Sie ist umfassend und überzeugt uns sehr», verteilte Toni Kappeler (Münchwilen) Blumen. Der Thurgau habe heute eine «gute und überschaubare» Grösse. Einen zusätzlichen Bericht erachteten auch EVP und EDU für unnötig, sagte Fritz Rupp (Tobel).

Regierungsrat Kaspar Schläpfer liesse nur dann über einen Kanton Ostschweiz mit sich diskutieren, wenn es ähnliche Zusammenschlüsse auch in der übrigen Schweiz gäbe.

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