Kanton kalkuliert die Katastrophe

Der Thurgau betreibt sein kantonales Rechenzentrum künftig an zwei voneinander getrennten Standorten. Das erhöht die Stabilität der Systeme im Katastrophenfall. Für diese Sicherheitsmassnahme sind drei Millionen Franken bereitgestellt.

Silvan Meile
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Leo Kuster Chef des Thurgauer Amtes für Informatik (Bild: pd)

Leo Kuster Chef des Thurgauer Amtes für Informatik (Bild: pd)

FRAUENFELD. Wer von einem Jahrhundertereignis spricht, kann als Beispiel das Hochwasser nennen, das im Sommer Kradolf unter einer dicken Schlammschicht begrub. Vor den Auswirkungen einer solchen Naturkatastrophe ist auch das Rechenzentrum der kantonalen Verwaltung in Weinfelden nicht vollkommen geschützt. Sie könnte – wie auch etwa Sabotage oder Feuer – das Herz der Informatik lahmlegen und dadurch sämtliche Computerbenutzer der Kantonsverwaltung auf einen Schlag dazu zwingen, ihre Arbeit niederzulegen.

Ein zusätzliches Rechenzentrum

«Ein Ausfall des kantonalen Rechenzentrums hätte auch Auswirkungen auf die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben», sagt Leo Kuster, Chef des kantonalen Amtes für Informatik. Beispielsweise, wenn plötzlich keine Bewilligungen mehr erteilt, keine Sozialleistungen mehr ausbezahlt, keine Steuern mehr eingenommen oder keine Pässe mehr ausgestellt werden könnten. Mit der zunehmenden Bedeutung der Informatik und der damit verbundenen Abhängigkeit ist auch die Anforderung an die Stabilität der IT-Systeme gestiegen.

Schon vor dem Hochwasser vom vergangenen Juni schmiedete das Thurgauer Amt für Informatik deshalb Pläne, um das Rechenzentrum besser gegen Extremereignisse zu schützen. Die Systeme sollen gleichzeitig an zwei geographisch voneinander getrennten Orten betrieben werden, um die Sicherheit zu erhöhen, beziehungsweise den Ausfall eines Standorts verkraftbar zu machen. Deshalb soll nun ein zweites kantonales Rechenzentrum in Betrieb genommen werden.

Drei Millionen Franken sind dafür im Finanzplan bereitgestellt, bestätigt Andreas Keller, Generalsekretär des kantonalen Departementes für Inneres und Volkswirtschaft.

100 Quadratmeter zumieten

Das Thurgauer Amt für Informatik betreibe eine verlässliche Datensicherung, sagt Kuster. Daran ändert sich nichts. Gleichzeitig gewährleisten zwei Server-Räume einen entsprechend stabilen Informatikbetrieb. Doch die beiden Rechenzentren für den laufenden Betrieb befinden sich Tür an Tür am Standort des Amtes für Informatik in Weinfelden. Um sie geographisch voneinander trennen zu können, wird der Kanton ab 2017 einen rund hundert Quadratmeter grossen Raum – was etwa der Grösse eine Doppelgarage entspricht – in Frauenfeld mieten, erklärt Kuster.

Wegen Glasfaser eigene Lösung

Eine eigene Lösung habe sich aufgedrängt. Zwar sei mit dem Kanton Schaffhausen, in dessen Rechenzentrum offensichtlich noch Platz frei gewesen wäre, durchaus ein Partner für das zweite Thurgauer Rechenzentrum zur Verfügung gestanden. Doch die Kosten für die Miete des Glasfasernetzes zwischen Weinfelden und Schaffhausen, die nötig ist, um die beiden Rechenzentrum mit einer leistungsfähigen Leitung zu verbinden, hätte den finanziellen Rahmen gesprengt, sagt Kuster: «Wenn es über die Kantonsgrenze geht, wird es diesbezüglich schnell teuer.» Innerhalb des Kantons könne hingegen das Glasfasernetz des Elektrizitätswerks des Kantons Thurgau (EKT) genutzt werden. Gerade zwischen Frauenfeld und Weinfelden bestehe bereits eine Netz-Anbindung mit der nötigen Bandbreite.

Die Inbetriebnahme des zweiten Rechenzentrums werde viel Vorbereitungen erfordern, sagt Kuster. Der effektive Umzug der Geräte werde dann wohl an einem Wochenende Anfang 2017 vollzogen und damit die Verletzlichkeit der kantonalen Informatik für Extremereignisse verkleinert werden.

Die Kabel der Informatik sollen auch in Frauenfeld zusammenlaufen. (Bild: Nana do Carmo)

Die Kabel der Informatik sollen auch in Frauenfeld zusammenlaufen. (Bild: Nana do Carmo)