Kanton hat Gehör für die Armee

Der Thurgau prüft, ob er den Termin für Maturaprüfungen an den Kantonsschulen vorverlegen kann. Grund ist der Wunsch der Armee, das Zeitfenster für die RS zwischen Maturaprüfung und Studienbeginn zu vergrössern.

Christof Widmer
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FRAUENFELD. Wenn die Armee nach der Reform 2016 neu startet, sollen auch die Rekrutenschulen und der Semesterbeginn der Hochschulen aufeinander abgestimmt sein. Dazu will die Armee selber einen Teil beitragen: Die Rekrutenschule wird von heute meist 21 Wochen auf 18 verkürzt. Das reicht aber nicht. Beginnt die RS Anfang Juli, blieben nur zehn oder elf Wochen bis zum Beginn des Studiums im September, rechnet Armeechef André Blattmann im «Sonntags-Blick» vor. Darum wünscht die Armee, dass die Kantone das Zeitfenster zwischen Maturaprüfungen und Studienbeginn ausdehnen – und die Maturaprüfungen auf einen Zeitpunkt vor Mitte Juni vorverlegen.

Ergebnis bis Ende Jahr

Im Thurgau ist dieser Wunsch angekommen. Diese Woche hat Erziehungsdirektorin Monika Knill den Chef des Amts für Mittel- und Hochschulen mit Abklärungen beauftragt. Amtschef Urs Schwager soll mit der Kantonsschulrektorenkonferenz untersuchen, welche Konsequenzen es hätte, wenn die Matura vorverschoben würde. «Bis Ende Jahr sollen die Ergebnisse vorliegen», sagt Schwager. Ob der Thurgau dem Wunsch der Armee nachkommt, ist noch nicht gesagt.

Die Maturaprüfungen im Thurgau finden heute Mitte bis Ende Juni statt. Sollte der Thurgau auf die Wünsche der Armee eingehen, dann müsste er die Prüfungen um mindestens eine Woche vorverschieben.

Mit der Überprüfung der Matura-Termine reagiere der Thurgau auch auf eine Empfehlung der Erziehungsdirektorenkonferenz, sagt Schwager. Sie hat den Wunsch der Armee bereits diskutiert und empfiehlt den Kantonen, den Termin für die Maturaprüfungen vorzuverlegen. «Ob das gemacht wird, liegt an jedem einzelnen Kanton», sagt Schwager.

Auf Details, etwa um wie viele Wochen der Thurgau die Maturaprüfungen vorverschieben könnte, will sich Schwager noch nicht einlassen. Auch ob die Prüfungsverschiebung für die Kantonsschulen Schwierigkeiten mit sich bringen würde, werden erst die von Regierungsrätin Knill verlangten Abklärungen ergeben.

Zumindest die Kantonsschule Frauenfeld könnte aber Schwierigkeiten bekommen: Unter ihrem Dach befinden sich neben dem eigentlichen Gymnasium auch die Handelsmittelschule, die Fachmittelschule und die Informatikmittelschule. Heute fänden die Prüfungen dort gestaffelt satt, sagt Schwager. Eine Vorverlegung der Prüfungstermine könnte zur Folge haben, dass die Prüfungen parallel stattfinden müssen. Das könnte aber für die Lehrer, welche die Prüfungen abnehmen müssen, zum Problem werden.

Armeefreunde erfreut

Dass der Kanton die Vorverlegung der Maturaprüfungen zumindest abklärt, stösst derweil unter Armeefreunden auf positives Echo. SVP-Sicherheitspolitiker Erwin Imhof begrüsst den Schritt. «Wenn mit einer Verschiebung bessere Voraussetzungen für die Armee geschaffen werden können, ist das sinnvoll.» Voraussetzung sei aber, dass den Maturanden keine Nachteile entstünden.

Auch Reto Maurer, der Präsident der Kantonalen Offiziersgesellschaft, zeigt sich erfreut über die Überlegungen im Thurgau. Es sei wichtig, dass eine Lösung gefunden werde, die die Bedürfnisse der Armee, aber auch jene der Rekruten berücksichtige.