Kantischüler fingen bei null an

Bestens gelaunte Schüler, Lehrer und Besucher haben sich am Donnerstag an der Kantonsschule Frauenfeld ein Bild über die Möglichkeiten gemacht, wenn die Welt neu gestartet werden muss. Der Rektor lobt den Fleiss der Schüler.

Andreas Taverner
Merken
Drucken
Teilen
An einem Stand gab es Mehlwürmer-Brot. (Bild: Andreas Taverner)

An einem Stand gab es Mehlwürmer-Brot. (Bild: Andreas Taverner)

FRAUENFELD. «Neustart der Welt» lautet das Motto des diesjährigen Herbstfests an der Kantonsschule Frauenfeld. Um 17 Uhr eröffnen Schüler und Schülerinnen mit Akrobatik-Kunststücken in der Aula den Event. Es ist der Abschluss einer Woche, in der sich die Schüler und ihre Lehrpersonen mit dem Thema, wie sich unsere Zivilisation nach einer Katastrophe neu erfinden muss, auseinander setzten.

Wie kann Nahrung hergestellt werden und wie schmiedet man Nägel mit Köpfen? So serviert die Klasse von Johannes Kottonau selbstgemachtes Mehlwürmer-Brot. «Erstaunlich wie sich die Schüler experimentierfreudig zeigten und bald das Brot versuchten. Die Lehrkräfte haben weniger Freude am Probieren gehabt», lautet seine Bilanz bezüglich des speziellen Brotes. Der Stand für Pfeilbogenbau ist fast immer gut besucht. Wie ein Bogen hergestellt wird, erklären die für den Stand verantwortlichen Schüler mit viel Geduld.

Ohne Gesetz keine Strafe

Um das Rechnen ohne Taschenrechner geht es am Stand des hölzernen Rechenschiebers. Wie bedienten die Grosseltern einen Rechenschieber? Um Betroffenheit, einen emotionalen Bezug, geht es Hanspeter Hitz, dem Rektor der Kanti. «Was braucht es, wenn wir bei Null anfangen müssen? «Wenn jemand stiehlt und kein Gesetz verbietet es, wird es für den Schüler, der die Rolle des Richters innehat, ungemütlich», sagt Hitz. Denn ein Grundpfeiler der Rechtsprechung lautet bekanntlich, dass es ohne Gesetz keine Strafe gibt. Hitz ist für die Motivation der Beteiligten voll des Lobes. Sie hätten zum Teil nach Hause geschickt werden müssen, so eifrig seien sie in ihre Arbeiten vertieft gewesen. Das diese spezielle Woche fortgesetzt wird, steht für ihn ausser Zweifel.

Die Ungewissheit ist schlimm

Im anschliessenden Podium wird das Thema «Wenn nichts mehr geht – wer hilft bei Katastrophen?» aus militärischer, ärztlicher und kirchlicher Sicht diskutiert. Eine Erkenntnis daraus ist, dass Ungewissheit, wie es Angehörigen geht, etwas vom Schlimmsten für die Betroffenen ist. Dies zeigt Daniel Bachmann, katholischer Pfarrer, anhand eines konkreten Beispiels der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf.