Kampfzone Feldweg

Thursicht

Maya Mussilier
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Jetzt sind sie wieder überall unterwegs: Gekleidet in bunte Leibchen und enganliegende Hosen, eine poppige Sonnenbrille auf der Nase. Zünftig treten sie in die Pedale, die sportlichen Frauen und Männer. Zu dritt nebeneinander auf der unübersichtlichen Landstrasse, fröhlich plaudernd. Keiner denkt auch nur daran, sich hinter den anderen einzureihen, um anderen Verkehrsteilnehmern Platz zu machen. Szenenwechsel: In rasanter Fahrt – den Kopf tief – ohne zu schauen über die Kreuzung, grad noch vor dem herannahenden vortrittsberechtigten Lastwagen durchgezischt. Kein Gedanke an die eigene Sicherheit.

Aber der Thurgau lockt die Radler auch auf die Feldwege. Dort fahren sie fast lautlos in schnellem Tempo von hinten an Spaziergänger heran. Im letzten Moment ein einzelnes «Bling» der Glocke und wusch sind sie schon vorbei. Nur wenige drosseln das Tempo, egal ob auch Kinder, Hunde oder Pferde auf dem Weg sind.

Das Pferd macht erschrocken einen Hüpfer in die Mitte des Weges, fast in den schnellen Radler hinein. Dieser bringt auf die Worte «bitte langsam vorbei» nur ein «ich weiss schon, wie das geht» über die Lippen. Kein freundlicher Gruss, kein Abbremsen, das zu seiner Sicherheit beiträgt.

Dabei wäre es so einfach: Ein bisschen weniger Tempo beim Vorbeiradeln, ein freundliches «Grüezi», ein bisschen Rücksicht auch auf die anderen Verkehrsteilnehmer. Das würde die Toleranz auf allen Seiten stärken. Unsere schönen Wege sollen allen Erholungssuchenden Freude bereiten.

Maya Mussilier

maya.mussilier@thurgauerzeitung.ch