Kampfwahl am Rhein

WAGENHAUSEN. In Wagenhausen tauchen Sprengkandidaten auf: Der 62jährige Pius Rinderer stellt sich als Gemeindepräsident zur Wahl und Iris Schilling kandidiert als Gemeinderätin.

Gudrun Enders
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Iris Schilling kandidiert als Gemeinderat, Pius Rinderer als Präsident. (Bild: pd)

Iris Schilling kandidiert als Gemeinderat, Pius Rinderer als Präsident. (Bild: pd)

In der Gemeinde Wagenhausen stellt sich die bisherige Behörde mit Gemeindeammann Harry Müller geschlossen zur Wiederwahl. Doch seit Mittwochabend gibt es Herausforderer: Sowohl Pius Rinderer als auch Iris Schilling kandidieren offiziell. Sie gaben ihre Unterlagen mit den erforderlichen Unterschriften auf der Gemeinde ab, wie die Verwaltung gestern bestätigte. Die Unterschriften werden am Montag geprüft.

Mehr Bürger einbeziehen

Die beiden Sprengkandidaten haben eines gemeinsam: Sie engagieren sich bei der Gruppe besorgter Etzwiler. Wobei Pius Rinderer als Kandidat fürs Gemeindepräsidium sich nicht auf die Geothermie beschränken will: «Es gibt auch andere Anliegen.» Den Kredit zum grossen Hochwasserschutz-Projekt etwa hätte er lieber an die Urne gebracht. Schliesslich bleiben an der Gemeinde noch rund eine Million Franken hängen, die sie zahlen muss. Ein Projekt mit so grosser Auswirkung auf die Gemeindefinanzen sei an der Versammlung letztlich nur von einem sehr geringen Anteil der Bevölkerung abgesegnet worden. «Ich will die Mitwirkung der Bevölkerung stärken», sagt Pius Rinderer.

Der 62-Jährige ist parteilos und wohnt seit neun Jahren in Kaltenbach. Ein Unterstützungskomitee stehe hinter ihm, Namen werden aber zurzeit noch nicht genannt. Als Gemeindepräsident würde Rinderer den respektvollen Umgang zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen pflegen und die Geschäfte der Gemeinde im Auftrag der Stimmbürger leiten. Rinderer ist Schulleiter für Integrationen an einer heilpädagogischen Schule, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Mit seiner Berufserfahrung bringe er Sozialkompetenz und Führungserfahrung, Offenheit und lösungsorientiertes Handeln mit. Zudem sehe er Konfliktfähigkeit und Belastbarkeit als Voraussetzung für dieses Amt an. Privat hat sich Rinderer entschieden, seine Stelle als Schulleiter auf den Sommer zu kündigen. «Ich freue mich über eine neue Herausforderung und hätte dann Zeit, mich voll für die Gemeinde einzusetzen.» Er will das 35-Prozent-Pensum, das mit dem Amt verbunden ist, nicht aufstocken.

Auch Iris Schilling engagiert sich bei der Gruppe der besorgten Etzwiler und kandidiert nun als Gemeinderätin. Sie ist Elektromonteurin, verfügt über eine eidgenössische Matur, ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Sie wohnt in Etzwilen, das zurzeit im Gemeinderat nicht vertreten ist. Schilling möchte die Anliegen der Etzwiler im Gemeinderat einbringen und den respektvollen Umgang mit andern Meinungen fördern.

Harry Müller bleibt cool

«Solche Kandidaturen sind legitim», sagt Gemeindeammann Harry Müller. «Da habe ich überhaupt keine Probleme.» Der 56jährige amtierende Gemeindeammann ist parteilos und kandidiert selbst für seine dritte Amtsperiode. Die meisten der Gemeinderäte sind seit einer oder zwei Amtsperioden dabei. «Wir wollen Kontinuität pflegen», sagt Müller. Etzwilen sei tatsächlich im Gemeinderat nicht mehr vertreten: «Da haben wir bei der letzten Ersatzwahl 2013 lange vergeblich nach Kandidaten gesucht und auch verschiedene Gespräche geführt.»