Kampf um jeden Franken

SIRNACH. Der Tierschutzverein Sirnach lebt von Spenden, Mitgliederbeiträgen und Unterstützungsgeldern. Wenn bei Tieren grössere medizinische Eingriffe nötig werden, wird oftmals das Geld knapp.

Tatjana Joos
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Elsbeth Tromp Geschäftsleitung Tierschutzverein Sirnach und Umgebung

Elsbeth Tromp Geschäftsleitung Tierschutzverein Sirnach und Umgebung

Ein Häschen, das mit dem Zug nach Gossau fährt. Hört sich verrückt an, hat sich aber schon so abgespielt. Die rund 20 Helfer des Tierschutzvereines Sirnach und Umgebung erleben so einiges in ihrer Tätigkeit für den Schutz der Tiere. «Hinter jedem Tier, das seinen Weg zu uns findet, steckt eine Geschichte», sagt Elsbeth Tromp, Geschäftsstellenleiterin des Tierschutzvereins Sirnach und Umgebung.

Tips, Pflege, neue Besitzer

Das Ziel des Tierschutzvereins Sirnach und Umgebung besteht darin, die Tiere zu schützen. Es werden verletzte oder verwahrloste Tiere gepflegt, neue Besitzer für heimatlose Tiere vermittelt, aber auch Tips zur Haltung verschiedenster Tiere weitergegeben. Der Tierschutzverein betreut zwölf Gemeinden und gewährt durch einen Pikettdienst eine Erreichbarkeit rund um die Uhr.

Dabei verursacht jedes neu aufgenommene Tier zuallererst einmal Kosten. Die tierärztliche Grundversorgung, bestehend aus Leukose-Test, Kastration, das Versehen mit einem Chip, die Impfung und die Entwurmung sowie auch Nahrung und Unterhalt schlagen zu Buche. «Allein die medizinische Grundversorgung einer Katze kostet uns rund 450 Franken», sagt Elsbeth Tromp. Und das, wo doch der Tierschutzverein Sirnach und Umgebung um jeden Franken kämpft.

«Wir finanzieren uns durch Mitgliederbeiträge und Spenden und werden ausserdem von den Gemeinden unterstützt», sagt Elsbeth Tromp. «Wenn einmal bei einem unserer Tiere ein grösserer medizinischer Eingriff anfällt, dann müssen wir unser Vorgehen immer zuerst mit dem Vorstand besprechen.» Meistens werde dann ein Sponsor gesucht und in fast allen Fällen auch gefunden.

Patenschaft unattraktiv

Je nach Situation wäre ansonsten, aufgrund der knappen Mittel des Tierschutzvereins, eine Behandlung des Tieres nicht bezahlbar. Auch die Möglichkeit zu einer Tierpatenschaft, bei der durch einen Gönner die Unterhaltskosten eines Tieres übernommen werden, besteht beim Tierschutzverein Sirnach und Umgebung. Diese bildet jedoch keinen Schwerpunkt des Vereins, da die meisten Tiere nur für eine kurze Zeit dableiben, bevor sie weitervermittelt werden. Eine Patenschaft wird dadurch unattraktiv.

Für Elsbeth Tromp stellt die vermeintliche Tierliebe das grösste Problem bei ihrer Arbeit dar. Es sei ein bekanntes Phänomen, dass viele sozial randständige Personen ihre Liebe auf Haustiere projizieren. «Es bleibt meistens aber nicht nur bei einem Tier», sagt die Geschäftsstellenleiterin Tromp. «Es müssen dann immer gleich sechs bis acht Tiere sein.»

Die Zahl ist entscheidend

Dabei ist es die Menge, die oftmals entscheidend ist. Die Tiere brauchen viel Zeit, Platz und vor allem Geld. Irgendwann wachse den Leuten alles über den Kopf, und die Tiere landen schliesslich beim Tierschutzverein. Solche Situationen machen die Tierschützerinnen und Tierschützer manchmal wütend, sie rufen aber in erster Linie doch den Wunsch zu helfen hervor, sagt Elsbeth Tromp.

Ausserdem dürfe man trotz allem nicht vergessen, dass hinter jedem Tierschicksal auch ein menschliches Schicksal stecke. «Die Besitzer schauen in vielen Fällen unwillentlich nicht gut zu ihren Tieren.» Das, wenn sie selber überlastet seien oder sie persönliche Angelegenheiten beschäftigten.

Dennoch solle man sich lieber ein bis zwei Tiere halten, um die man sich gut kümmere. Das sei besser als sechs bis acht Tiere zu haben, denen man unmöglich gerecht werden könne, so rät die Geschäftsstellenleiterin des Tierschutzvereins.

Charly Pallmert, Präsident des Tierschutzvereins Sirnach und Umgebung, im Einsatz. (Bild: pd)

Charly Pallmert, Präsident des Tierschutzvereins Sirnach und Umgebung, im Einsatz. (Bild: pd)

Charly Pallmert, Präsident des Tierschutzvereins Sirnach und Umgebung, im Einsatz. (Bilder: pd)

Charly Pallmert, Präsident des Tierschutzvereins Sirnach und Umgebung, im Einsatz. (Bilder: pd)