Kalchrain reagiert auf Renitente

Das Massnahmenzentrum Kalchrain will drei neue Einschliessungszimmer einrichten. Grund ist, dass die Anstalt vermehrt mit renitenten Jugendlichen und jungen Erwachsenen konfrontiert ist. Die Sicherheit sei aber gewährleistet.

Christof Widmer
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Armin Malär Direktor Massnahmenzentrum Kalchrain (Bild: Nana do Carmo)

Armin Malär Direktor Massnahmenzentrum Kalchrain (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. «Die bei uns eingewiesenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden nicht einfacher», sagt Armin Malär. Damit gibt der Direktor des Massnahmenzentrums Kalchrain nicht nur eine Empfindung aus seinem Arbeitsalltag wieder. Auch die Zahlen deuten in diese Richtung: 219mal verfügte die Direktion letztes Jahr eine Arreststrafe oder einen Zimmereinschluss. Im Vorjahr war 179mal Arrest vorgekommen. Schwankungen gäbe es zwar immer, sagt Malär. Die Tendenz stimme aber.

Das lässt sich auch an der Zahl der Entweichungen aus dem Massnahmenzentrum ablesen. In den Jahren seit 2008 waren es jeweils zwischen 59 und 77 Fälle – mit ansteigender Tendenz. Dies bei konstant 55 Plätzen, die das Massnahmenzentrum Kalchrain bietet.

Auf die Entwicklung reagiert das Massnahmenzentrum nun. Im Kantonsbudget für das nächste Jahr ist der Bau von drei Einschliessungszimmern vorgesehen. In ein solches Zimmer soll ein Kalchrain-Bewohner zum Beispiel kommen, wenn er ausrastet und einen Betreuer beschimpft. Im Zimmer soll er dann zur Besinnung kommen.

Heute im eigenen Zimmer

Bisher verfügt Kalchrain über keine Einschliessungszimmer. Bewohner, die ausrasten, werden in ihrem eigenen Zimmer eingeschlossen. «Das wird nicht immer als Bestrafung aufgefasst», sagt Direktor Malär.

Die neuen Zimmer dürften aber nicht mit Arrestzellen verwechselt werden, sagt der Direktor. Davon gibt es schon drei. Dabei handle es sich um Zellen wie in einem Gefängnis, sagt Malär. Arreststrafen verfügt er, wenn ein Eingewiesener gewalttätig geworden ist, Drogen hineingeschmuggelt hat, die Arbeit verweigert hat oder entwichen ist und wieder aufgegriffen wurde.

Es gibt laut Malär mehrere Gründe, wieso er vermehrt mit renitenten Eingewiesenen zu tun hat. Der Respekt vor Autoritätspersonen nehme generell ab. Zudem sei das Zentrum auch mit Minderintelligenten konfrontiert. Für einzelne Jugendliche sei Kalchrain schon die x-te Anstalt. «Sie testen aus, wie viel es leiden mag, bis es der Institution zu viel wird und sie nicht mehr haben will», sagt Malär.

Delikte auf der Flucht

Dass von den nach Kalchrain Eingewiesenen ein Sicherheitsrisiko ausgeht, verneint der Direktor – obwohl mehrere Gerichtsfälle dokumentieren, dass aus Kalchrain Entwichene auf der Flucht Delikte begangen haben und es bei einem Ausbruch letztes Jahr zu Gewaltanwendung gegen das Personal gekommen ist. «Wir klären mit der einweisenden Behörde das Risiko jeweils genau ab. Ein Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung wäre nicht tolerierbar», sagt Malär. Er bekennt sich zum offenen Massnahmenvollzug. Gerade bei jungen Menschen lasse sich vieles korrigieren. Matchentscheidend sei die berufliche Qualifikation, die sie in Kalchrain erwerben, und die Arbeit an den individuellen Risikofaktoren.

Kalchrain wird heute Thema in der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission des Grossen Rats sein. Sie trifft den Departementschef Claudius Graf-Schelling. Verschiedene Fragen würden diskutiert, sagt Subkommissionspräsident Erwin Imhof – auch die Einschliessungszimmer und die Gründe dafür.