Kaffee getrunken und gewettet

Seit er rausmusste aus seinem Restaurant, geht es ihm schlecht. Das war vor zwei Jahren. Da sei er von einem Tag auf den anderen auf der Strasse gestanden. «Ich konnte nichts dafür», beteuert der Beschuldigte vor den Frauenfelder Richtern.

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Seit er rausmusste aus seinem Restaurant, geht es ihm schlecht. Das war vor zwei Jahren. Da sei er von einem Tag auf den anderen auf der Strasse gestanden. «Ich konnte nichts dafür», beteuert der Beschuldigte vor den Frauenfelder Richtern. Der Besitzer des Gebäudes und die Brauerei hätten ihn loshaben wollen.

Der Mann ist 51 Jahre alt, gebürtiger Italiener. Schwarze Haare, dunkle Jeans, dunkler Pulli. Die Stimme hat einen traurigen Unterton. Er steht vor Gericht, weil er in seinem Lokal Internetwetten angeboten und eine Angestellte ohne Arbeitsbewilligung beschäftigt hatte. Beides gibt er zu. Beides kann er erklären.

Bulgarin schlecht bezahlt

Er habe sich sogar zweimal um eine Arbeitserlaubnis für die Bulgarin bemüht, sagt der Beschuldigte. Umsonst. «Ich hatte damals Probleme mit dem Personal.» Er habe der Frau auch viel zu wenig Geld bezahlt, hält ihm die Richterin vor. Der Mann zuckt mit den Schultern. «Für mich hat es gestimmt.» Sie habe im Restaurant gegessen, manchmal noch etwas mitgenommen, er habe sie nach Hause gefahren und abgeholt.

Die illegalen Wetten dürfe man sich nicht wie in einer Spielhölle vorstellen. Das sei mehr ein Spiel gewesen, lockere Unterhaltung. «Die Leute haben Kaffee getrunken und 10 oder 20 Franken gewettet.» Meist hätten sie auf Fussballspiele gesetzt. «In Deutschland und Österreich ist das legal.»

Ein Jahr lang ging das so. Für rund 180 000 Franken haben die Gäste in dieser Zeit gewettet. Dem Wirt sollen davon 8000 Franken geblieben sein, sagt der Staatsanwalt. Es seien nur 5000 Franken gewesen, behauptet der Wirt.

Arbeitslos und geschieden

Das Geld ist auf jeden Fall weg. Dem Mann geht es mittlerweile finanziell schlecht. Er ist arbeitslos, geschieden und lebt von einer Lebensversicherung, die ihm 1000 Franken im Monat auszahlt. Für den Rest, den er zum Leben braucht, kämen seine Mutter und die Familie auf. Er versuche, so sparsam wie möglich zu leben, beteuert er. Mal würden die 1000 Franken reichen, dann brauche er 1500, manchmal auch 1800 Franken.

Er sei krank und deshalb arbeitslos. «Die Hüfte.» Die habe er sich im Restaurant ruiniert. Die Ärzte raten zur Operation, aber davor habe er Angst. Also lässt er sich alle paar Monate eine Spritze gegen die Schmerzen geben. Es seien sehr teure Spritzen. «Aber das zahlt doch die Krankenkasse», hakt die Richterin nach. «Ja», sagt der Mann.

Das Warten auf den Prozess sei ihm auf den Magen geschlagen. Er sei froh, wenn es vorbei sei.

Das Gericht verurteilt den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe bei einer Probezeit von zwei Jahren. Er muss dem Staat 8500 Franken unrechtmässig erlangtes Vermögen zurückzahlen, dazu kommen 3400 Franken Untersuchungs- und Gerichtskosten. Ida Sandl