Juniorpartner von Zürich

St. Gallen möchte mit Zürich den Ärztemangel bekämpfen – mit einem auf hiesige Bedürfnisse abgestimmten Studiengang. Zusammengearbeitet wird aber schon heute.

Regula Weik
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Rasch umsetzbar, im eigenen Kanton politisch und finanziell tragfähig, Erfahrungen der Partneruniversität nutzbar: Diese Überlegungen dürften mitgespielt haben, dass die St. Galler Regierung den Masterstudiengang für Medizin in Kooperation mit Zürich umsetzen möchte (Ausgabe von gestern). Hinzu kommt: Die Universität Zürich und das Kantonsspital St. Gallen arbeiten bereits heute zusammen. Seit 2009 bestehe eine erfolgreiche Zusammenarbeit als «akademisches Partnerspital im Bereich der Lehre und der Forschung», erklärt Beat Müller, Mediensprecher der Universität Zürich (UZH).

Am Kantonsspital St. Gallen arbeiten schon heute zahlreiche Ärzte, die befähigt sind, auf Universitätsstufe zu unterrichten. Aktuell seien es 76 habilitierte Lehrkräfte, die 1900 Lehrstunden jährlich für medizinische Fakultäten im In- und Ausland leisteten, führt Spital-CEO Daniel Germann aus. Die für den Masterstudiengang notwendigen Ressourcen für die Lehre seien damit zu einem «ansehnlichen Teil» bereits vorhanden, so Germann. Er geht davon aus, dass sich die heutige Stundenzahl mit dem Kooperationsmodell auf 3000 bis 3200 pro Jahr erhöhen wird. Auf die Frage, ob das Kantonsspital mit dem Master eine Aufwertung zum Universitätsspital anstrebe, winkt Germann ab: «Eine Anpassung des Status ist nicht Teil dieses Projektauftrags.»

Kantonsspital und Universität sind dabei

Ein weiterer Partner bei der angestrebten Medizinerausbildung ist die Universität St. Gallen. «Je mehr wir uns damit beschäftigen, desto mehr sehen wir darin eine Chance», sagt Rektor Thomas Bieger und erwähnt Möglichkeiten interdisziplinärer Forschung in Fragen der Gesundheitsökonomie oder des Health-Care-Managements. Auf die komplementären Fachgebiete der HSG weist auch UZH-Sprecher Müller hin – als Vorteil für St. Gallen bei einer Kooperation mit Zürich. Es ist geplant, an der HSG ein neues Institut «Medical School St. Gallen» zu gründen. Dieses wird zuständig sein für die Koordination und Organisation des Lehrangebots, die Betreuung der Studierenden, die Bereitstellung der Infrastruktur und die Vergabe der Lehraufträge.

Die St. Galler Regierung hat verschiedene Varianten für den Medical Master prüfen lassen – bis hin zum Aufbau einer eigenen medizinischen Fakultät. Dies wurde aber verworfen. Die Universität Zürich hat dazu eine klare Meinung: Die angestrebte Erhöhung der Studienplätze schweizweit sollte «nicht zu einer Aufsplitterung des Medizinstudiums führen, indem unabhängig voneinander weitere Standorte gegründet und finanziert werden». Auch mit Blick auf die finanzielle Situation von Bund und Kantonen sollten Neugründungen von Fakultäten oder Studiengängen sehr gut abgewogen und das finanzielle Synergiepotenzial universitärer Verbünde beachtet werden. Das von der St. Galler Regierung angestrebte Kooperationsmodell sei aus Sicht der Universität Zürich sinnvoll, da «basierend auf dem Know-how Zürichs Synergien genutzt und so auch lokale Schwerpunkte in Forschung und Lehre berücksichtigt werden können».

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