Jungpolitiker kritisieren Abstimmungsunterlagen

«easyvote» bietet die Übersetzung von Abstimmungsunterlagen in eine einfachere Sprache an. Thurgauer Jungpolitiker sind der Ansicht, dass ein Angebot wie «easyvote» Anlass dazu geben, die Aufbereitung der offiziellen Unterlagen in Frage zu stellen.

Marina Winder
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FRAUENFELD. «easyvote» ist ein Projekt des Dachverbands Schweizer Jugendparlamente. Sein Angebot lässt sich in zwei Bereiche unterteilen: Die Mobilisierung und die Information junger Stimmbürger. In den Bereich Information fällt unter anderem der Versand von vereinfacht formulierten Abstimmungsbroschüren. Kantone, Gemeinden, aber auch Schulen können diese Unterlagen bestellen und ihren Jungbürgern neben den ordentlichen Abstimmungsunterlagen zukommen lassen. Ziel ist, die Wahlbeteiligung in der Zielgruppe der 18- bis 25-Jährigen zu erhöhen.

Thurgau macht nicht mit

Das Angebot, das ursprünglich im Kanton Bern als «Easy-Abstimmigsbüechli» lanciert wurde, wird bis jetzt von den Kantonen Aargau, Bern, Luzern, Solothurn, Schwyz, Zürich und Graubünden genutzt. Neu hinzu kommen im November in französischer Sprache Unterlagen für den Kanton Waadt und in italienischer Sprache für den Kanton Tessin. Thurgauer Gemeinden machen nicht Gebrauch von «easyvote». Das Angebot sei bis jetzt im Verband Thurgauer Gemeinden kein Thema gewesen, sagt Präsident Kurt Baumann. Er ist der Ansicht, dass der Fokus auf die Jugendlichen zu wenig weit greife. «Wenn wir die Stimmbürger mobilisieren wollen, müssen wir alle Altersgruppen ansprechen», sagt Baumann.

So sehen es auch einige Thurgauer Jungpolitiker. «Der Bedarf nach vereinfachten Abstimmungsunterlagen ist vorhanden – nicht nur bei den jungen, sondern bei allen Stimmbürgern», sagt etwa Benjamin Kasper von der Jungen SVP. Besser als ein Abo bei «easyvote» fände er die Idee, dass sich die Thurgauer Jungparteien zusammentun und die Abstimmungsunterlagen in eine einfachere Sprache übersetzen.

Internet ist der bessere Weg

Für Linda Brunner von den Jungfreisinnigen sind Angebote wie «easyvote» ein Zeichen dafür, dass die offiziellen Abstimmungsunterlagen vereinfacht werden müssten. Um die jungen Stimmbürger besser zu erreichen, findet sie Online-Plattformen ideal. «Das Internet ist der wichtigste Kanal, um die Jungen zu erreichen», sagt sie. Lucas Orellano von der Jungen GLP hält nicht nur das Internet für den besseren Weg, um die Jungen zu erreichen, er steht einem Versand von alternativen Abstimmungsunterlagen grundsätzlich kritisch gegenüber: «Die offiziellen Abstimmungsunterlagen sollten für alle die gleichen sein.»

Julia Sieber von der Juso wünscht sich nicht nur in den Abstimmungsunterlagen, sondern bei der Sprache der Politiker generell eine Vereinfachung. «Hochgestochene Formulierungen wirken abschreckend», sagt Sieber. Diese Erfahrung habe sie bei Aktionen auf der Strasse immer wieder gemacht. Ihre Devise: «So reden und schreiben, wie einem der Schnabel gewachsen ist.»