Jungjasser mischen die Grossen auf

Donnschtig-Jass-Qualifikationsturnier

Donat Beerli
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Nachwuchsspieler Giorgio Gerber in Aktion. (Bild: Donat Beerli)

Nachwuchsspieler Giorgio Gerber in Aktion. (Bild: Donat Beerli)

Sie sticht heraus. Gleich doppelt. Filomena Bünter-Macario ist Frau – und Ausländerin. Attribute, die unter den 68 Jassern im Saal sonst schwer zu finden sind. Einheimische Männer über 50, die mit konzentriertem Blick über ihren Karten brüten, dominieren das Bild im Stadt- casino. Frauenfeld sucht heute Abend die besten Jasser im Differenzler – und die Italienerin ist vorne mit dabei.

Zwei von vier Passen sind ausgespielt, als die drei Männer ein wenig ungläubig auf die weisse Punktkarte der Frau am Tisch schielen. Viele Differenzpunkte sind dort nicht zu sehen. «Kann schon sein, dass ich Glück habe», sagt Bünter-Macario zum einen und lacht. «Wenn ein Tschinggeli heute gewinnt, wär’s aber trotzdem eine Sensation.»

Gespielt wird um einen Platz in der TV-Livesendung im Bernbiet. Dort wird am 17. August entschieden, wer im Kanton Thurgau den «Donnschtig-Jass» austragen darf: Frauenfeld oder Bürglen. Beide Gemeinden entsenden fünf Jasser, die im Bernbiet gegeneinander antreten: Der Erstplatzierte von heute Abend als Telefonjasser, der Zweite am Tisch, der Dritte als Ersatzjasser, zudem die beste Dame sowie der beste Jugendliche.

Sechs Knaben und zwei Mädchen machen den begehrten Platz unter sich aus und haben sich darum mit den erfahrenen Jassern an die Tische gesetzt. «Ein schöner Anblick ist das», meint Stadtpräsident Anders Stockholm, der sich die Auscheidung nicht entgehen lässt. Tatsächlich werden die Nachwuchsjasser von den älteren Semestern mit viel Geduld unterstützt. «Einfach nur schön», findet auch Richard Wagner, OK-Präsident und Chef der Stadt-Hausdruckerei. Die Werbung in den Schulen habe sich ausbezahlt, so viele Jugendliche habe man nicht erwarten können. Einer der älteren Schüler ist Giorgio Gerber. Jassen hat der 14-Jährige von seinen Grosseltern gelernt, normalerweise spielt er aber Schieber. Angefangen hat der Abend gut, doch eineinhalb Stunden später sagt er leicht enttäuscht: «Ich habe mich verschätzt.» Mit dem Sieg werde es wohl nichts mehr.

«Mit der Erfahrung kommen auch die Leistungen», sagt Dani Müller. Mehr brauche man nicht, um ein guter Differenzler-Jasser zu werden. Er muss es wissen. Der Appenzeller «Donnschtig-Jass»-Schiedsrichter führt durch den Abend, bietet Hilfe an und kontrolliert, dass alles regelkonform zu und her geht.

Besser als bei Gerber läuft’s bei Laurin Kappeler. Der Zehnjährige kämpft zwar noch mit den Buchstaben seines Vornamens, doch im Differenzler scheinen ihm die Grossen nicht viel vorzumachen. Die Spieler an seinem Tisch sind sich einig: «De cha öppis.» Doch da scheint sich der Wind zu drehen: Laurin hat mit einem Ass in der Hand 15 Punkte angesagt. Zum Stich kommt er aber nie. «Mit solchen Karten musst du 0 ansagen», sagt der Schreiber und klopft ihm auf die Schulter. Er hat recht. Das weiss auch Laurin.

Knapp drei Stunden nach Beginn sind die letzten Passen ausgespielt. Für Laurin hat es trotz guter Ausgangslage nicht gereicht. Durchgesetzt bei den Damen hat sich dafür Filomena Bünter-Macario. Sie ist als Dritte beste Dame und fährt mit ins Bernbiet.

Donat Beerli

donat.beerli@thurgauerzeitung.ch