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JUBILÄUM: Die Kraft der Abgeschiedenheit

Alain Berset ehrte gestern das Engagement der Stiftung Kartause Ittingen. Kulturelle Vielfalt sei nicht einfach da, sondern müsse kontinuierlich erarbeitet werden. Der Bundesrat erhob aber auch den Mahnfinger.
Silvan Meile
Bundesrat Alain Berset bei seinem Besuch am Dienstag in der Kartause Ittingen. (Bild: Reto Martin)

Bundesrat Alain Berset bei seinem Besuch am Dienstag in der Kartause Ittingen. (Bild: Reto Martin)

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Alain Berset hat ein Versprechen eingelöst. Weil es seine Agenda nicht zuliess, Ende September am offiziellen Jubiläumsanlass 40 Jahre Stiftung Kartause Ittingen teilzunehmen, besuchte er am Dienstagabend dieses Thurgauer Kulturdenkmal und unterstrich damit auch gleich dessen Bedeutung: «Die Kartause Ittingen verkörpert eine Form der Weltabgeschiedenheit, an der man Kraft sammelt für die Welt.» Auch wenn die letzten Wochen für ihn anstrengend gewesen seien, «und auch nicht frei von Enttäuschungen», sei er aber nicht gekommen, weil er jetzt reif fürs Kloster sei.

«Teile der Bevölkerung fühlen sich abgehängt»

Der persönlichen Einladung der Stiftung zum bundesrätlichen Besuch folgten rund 150 Personen: Regierungsräte, Kantonsräte, aktuelle und ehemalige Stiftungsräte der Kartause und natürlich Thurgauer Bundespolitiker. Sie alle standen bereit, als pünktlich um halb sieben Uhr eine schwarze Limousine vor das Eingangstor der ehemaligen Klosteranlage und heutigem Kultur- und Seminarzentrum einbog. Stiftungsratspräsident Roland Eberle begrüsste zusammen mit Regierungspräsidentin Carmen Haag den hohen Besuch aus Bern zuerst.

Bundesrat Berset lobte das Engagement der letzten 40 Jahre, mit der «diese wertvolle Institution, die weit über den Kanton Thurgau hinausstrahlt» erhalten und belebt werden konnte. «Sie zeigt eindrücklich, dass die regional geprägte kulturelle Vielfalt der Schweiz nicht einfach da ist, sondern kontinuierlich erarbeitet werden muss.» Und dass Bauen am Bestand nicht Stillstand bedeuten müsse. «Die Kartause Ittingen ist ein guter Ort, um sich zu vergegenwärtigen, dass das, was die Schweiz ausmacht, was sie zusammenhält, was sie voranbringt, immer wieder neu erörtert und erarbeitet werden muss.» Bei seinem Schwenker zur Politik blickte Berset über die Landesgrenzen und mahnte, dass auch «am Gebäude unserer Gesellschaft» wertsteigernde Massnahmen nötig seien, bevor sich noch mehr Leute politisch entfremden. «Trump, Brexit, die Wahlen in Deutschland, in Österreich, in Tschechen.» Diese Zäsuren zeigten, dass sich weite Teile der Bevölkerung abgehängt, nicht ernst genommen fühlten mit ihren Problemen und Ängsten. Berset schloss schliesslich mit dem, wofür die Kartäuser weltberühmt sind: Schweigen. Dieses wurde sofort von Applaus unterbrochen.

Eine grosse Wertschätzung für 40 Jahre Engagement

Stiftungsratspräsident Roland Eberle freute sich in seinen Begrüssungsworten über «die ganz besondere Note», welche das Jubiläum der 1977 gegründeten Stiftung mit dem Besuch des Bundesrats verliehen bekomme. «Das ist eine grosse Wertschätzung für die Kartause und alle, die sich für die Erhaltung der Anlage engagiert haben.»

Bis 1848 lebten während 400 Jahren Mönche im Kapuzinerkloster Ittingen. Später führte eine Familie über Generationen einen für die damalige Zeit modernen Landwirtschaftsbetrieb. Nach dem Krieg wurde der Unterhalt zur grossen finanziellen Belastung. Mehrere Verkaufsversuche scheiterten. Schliesslich wurde 1977 die Stiftung Kartause Ittingen gegründet, um die Anlage vor dem Zerfall zu retten. Heute ist die einstige Klosteranlage ein Kultur- und Seminarzentrum mit Guts- und Sozialbetrieb.

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