Jetzt werden die Reben gepudert

FRAUENFELD. Mit Gesteinsmehl versucht die Weinbranche, die Kirschessigfliege von den reifen Trauben fernzuhalten. Die Massnahme sei wirkungsvoll, sagt der Rebbaukommissär. Für umfangreiche Erkenntnisse fehlt aber der Schädling selber. Er tritt dieses Jahr kaum auf.

Silvan Meile
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Das Gesteinsmehl Kaolin hinterlässt eine weissliche Schutzschicht. (Bild: pd)

Das Gesteinsmehl Kaolin hinterlässt eine weissliche Schutzschicht. (Bild: pd)

Wie Staub überdeckt eine weissliche Schicht die Weintrauben. Vermehrt sprühen Thurgauer Winzer in den Rebhängen ein Pulver auf ihre Beeren. Markus Leumann, Rebbaukommissär der Kantone Thurgau und Schaffhausen, erklärt, weshalb dadurch mancherorts die Trauben unter einer matten, weissen Schicht an den Rebzeilen hängen: «Das natürliche Präparat aus Tonerde hat eine abstossende Wirkung auf die Kirschessigfliege», sagt Leumann. Er sammelt derzeit Erkenntnisse aus dieser Bekämpfungsmassnahme gegen den im letzten Jahr massiv aufgetretenen Schädling. «Wenn das Gesteinsmehl Kaolin angetrocknet ist, hinterlässt es eine rauhe Oberfläche auf den Traubenbeeren und einen weisslichen Schutzfilm, welcher gut sichtbar ist», erklärt Leumann. Das würde es für den Schädling unattraktiv machen, seine Eier in die reifen Früchte zu legen. Es handle sich um ein völlig natürliches Produkt ohne Zusatzstoffe, das aufgrund der neusten Erkenntnisse gegen die Kirschessigfliege eingesetzt werde. Es hinterlasse kein Rückstände im Wein und sei auch im Biolandbau zugelassen.

Der Schädling tritt kaum auf

Erste Anzeichen würden die Wirksamkeit von Kaolin gegen das schädliche Insekt bestätigen, sagt Rebbaukommissär Leumann. Für eine qualifizierte Aussage über den tatsächlichen Erfolg des weissen Pulvers in den Rebhängen fehlt aber noch ein entscheidender Faktor: der Schädling selber. Denn im Vergleich zu 2014 tritt die aus Asien eingeschleppte Kirschessigfliege in diesem Jahr bisher in vergleichsweise sehr geringer Population auf. Das dürfte hauptsächlich am heissen und trockenen Sommer liegen. Das schöne Wetter ist auch der Grund, weshalb sich Rebbaukommissär Leumann derzeit über «hervorragende Voraussetzungen für einen besonders guten Weinjahrgang» freut. Das würden Messungen des Zucker- und Säuregehalts versprechen. Noch sei zwar der Grossteil der Ernte nicht eingefahren, aber der Zustand der Reben sei vielversprechend, sagt Leumann.

Bei Beeren isst das Auge mit

Für die Beeren- und Obstproduzenten wird das vorsorgliche Sprühen von Gesteinsmehl kaum eine Option werden, sagt Urs Müller, Berater am landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg. Das Pulver könne optische Rückstände in Form von feinen weissen Rändern hinterlassen. «Das kann man bei Früchten nicht brauchen», sagt Müller. Zu sehr isst das Auge des Konsumenten mit. Müller bestätigt aber, dass die Kirschessigfliege beim Obst und den Beeren in diesem Jahr aufgrund kleiner Populationen kaum Schwierigkeiten bescherte. Und der grösste Teil der Ernte sei eingefahren.