Jetzt halt in die Regierung

Der letzte freie St. Galler Regierungssitz ist begehrt: Auch die BDP will bei dessen Besetzung mitreden. Sie schickt ihren Parteipräsidenten Richard Ammann ins Rennen. Eine Alternative zu FDP und SVP tue not, sagt er.

Regula Weik
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ST. GALLEN. Richard Ammann ist Sportler. «Jedes Spiel beginnt bei 0:0. Erst nach dem Abpfiff zeigt sich, wer wo steht.» Er war viele Jahre Eishockey-Spitzenspieler und Trainer mehrerer Vereine. Ammann ist sich gewöhnt, einzustecken. Und trotzdem wieder aufs (Glatt-)Eis zu müssen.

Am Wochenende hat Ammann eine bittere Niederlage erlitten. Er ist als Kantonsrat abgewählt worden; vor vier Jahren war der BDP-Präsident auf Anhieb ins Parlament gewählt worden. Auf die Frage, ob er ein schlechter Verlierer sei und nun aus Trotz in die Regierungswahlen eingreife, antwortet er: «Regierungswahlen sind Persönlichkeitswahlen.» Die parteipolitischen Interessen träten bei der Arbeit in der Exekutive in den Hintergrund. Er trete als «Richard Ammann und nicht als Parteisoldat» an und auch nicht als «Vertreter einer Partei, die im Abwind ist». Eine Erklärung für die entschwundene Wählergunst hat der Parteipräsident (noch) nicht – «wir müssen über die Bücher». Und dann: «Die BDP ist im Moment nicht in.»

«Rückhalt des Volkes»

Noch im Herbst hatte es ganz anders getönt. Damals meinte Ammann: «Die BDP ist keine Eintagsfliege. Sie ist heute eine etablierte Partei, die ernst zu nehmen ist.» Letzteres propagiert er heute für sich. Und er fühlt sich – trotz Wahlniederlage – durch das persönliche Resultat in den Kantonsratswahlen bestätigt: Er habe viermal so viele Stimmen gemacht wie die zweitplazierte Kandidatin auf der BDP-Liste im Wahlkreis St. Gallen.

Und er habe «viele parteifremde Stimmen erhalten – von rechts bis links». Auch im Herbst habe er «den Rückhalt des Volkes» gespürt, sagt Ammann. Er schaut zurück auf den ersten Wahlgang für die beiden St. Galler Ständeratssitze. Er habe in jener Ausmarchung mehr Stimmen erzielt als die damalige Nationalrätin der Grünliberalen und Patientenschützerin Margrit Kessler, sagt der 57-Jährige.

Was er denkt, wofür er kämpft

Ammann fühlt sich aber auch durch das Resultat der Regierungswahlen in seinem Ansinnen bestätigt. Das Ergebnis vom Wochenende habe einmal mehr gezeigt, dass das St. Galler Stimmvolk «konsensorientierte und teamfähige Persönlichkeiten» in der Exekutive wünsche. Als solche sieht sich Ammann. Er versteht sich als «moderater Mitte-Politiker» und als Alternative zu den Kandidaturen von FDP und SVP. Wie grenzt er sich von den beiden ab? Er sei moderater – als beide.

In einem Anliegen freilich unterscheidet er sich nicht von den Kandidaturen von FDP und SVP: Auch Ammann nennt gesunde Staatsfinanzen als eines seiner wichtigsten Anliegen. Rasch fügt er an: «Gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und eine gut funktionierende Sozialpartnerschaft sind gleichzeitig möglich.» Als ob er dies unterstreichen wollte, weist er darauf hin, dass er sich seit Jahren als Stiftungsrat der St. Galler Pensionskasse für die Interessen der Lehrpersonen und der öffentlichen Angestellten einsetze.

Der dreifache Familienvater wohnt in Abtwil und unterrichtet seit über 30 Jahren an der St. Galler Volksschule. Schier überflüssig zu erwähnen, dass ihm ein gutes Bildungssystem am Herzen liegt. So hat er als Kantonsrat in der laufenden Legislatur mehrere Vorstösse zu aktuellen Bildungsfragen eingereicht.

Schon länger entschieden

Auf die Frage, weshalb er nicht schon im ersten Wahlgang angetreten sei, antwortet er: «Die BDP wollte die Wahl von Bruno Damann nicht gefährden. Wir haben ihn denn auch im Wahlkampf unterstützt.» Dass er bei der heutigen Ausgangslage im zweiten Durchgang antreten werde, hätten die Partei und er schon länger entschieden.

Ammann reiht Wahlkampf an Wahlkampf; nach National-, Stände- und Kantonsrat steigt er nun innert weniger Monate bereits in den vierten. Er sei Sportler, antwortet er auf die Frage nach der Belastung. Erholen könne er sich danach – in der Wettkampfpause. Ammann macht sich nichts vor; seine Chancen sind gering. «Ich habe nichts zu verlieren», sagt er.

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