Jeder zehnte hat über 0,5 Promille

FRAUENFELD. Männer unter 30 sind am häufigsten alkoholisiert in Verkehrsunfälle verwickelt. Die Zahl solcher Unfälle blieb im Thurgau in den letzten Jahren konstant. Der Regierungsrat widerlegt entsprechende Befürchtungen eines Kantonsrats.

Silvan Meile
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5250 Fahrzeuglenker mussten sich im vergangenen Jahr einem Atemlufttest der Kantonspolizei Thurgau stellen. (Bild: Reto Martin)

5250 Fahrzeuglenker mussten sich im vergangenen Jahr einem Atemlufttest der Kantonspolizei Thurgau stellen. (Bild: Reto Martin)

Die Hochsaison der Blaufahrer geht in die Verlängerung. Nach den Festtagen verlocken bereits die Fasnachtstage dazu, ein Glas über den Durst zu trinken. Beim Gedanken daran, dass deshalb vermehrt alkoholisierte Verkehrsteilnehmer die Thurgauer Strassen befahren, muss SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen leer schlucken. «Blaufahren ist kein Kavaliersdelikt», sagt der Arboner, «vielmehr ein grosses Sicherheitsrisiko für alle.»

«Betrunken fahren ist kriminell»

Doch angetrunkene Autofahrer sind keine Seltenheit. Jeder zehnte Fahrzeuglenker, bei dem die Kantonspolizei Thurgau im Jahr 2015 einen Atemlufttest durchführte, hatte über 0,5 Promille Alkohol im Blut. Das geht aus der Beantwortung einer Einfachen Anfrage Vonlanthens an den Thurgauer Regierungsrat hervor. 5250 Fahrzeuglenker mussten demnach im vergangenen Jahr ins Messgerät der Kantonspolizei pusten. 518 hatten zuvor mehr Alkohol getrunken, als es zum Lenken eines Fahrzeugs erlaubt ist.

«Wer sich betrunken hinters Steuer setzt, ist kriminell», stellt Vonlanthen klipp und klar fest. Diese Sicherheitsrisiken müssten minimiert werden. Deshalb wollte er vom Regierungsrat wissen, was dieser für Möglichkeiten sieht, um bei den Thurgauer Autofahrern mehr Verantwortungsbewusstsein hervorzurufen. Vonlanthen denkt etwa an pädagogische Massnahmen wie Erziehungskurse.

Kanton verweist auf Bund

Der Regierungsrat verweist in seiner Beantwortung auf via Sicura, das Bundesprogramm für mehr Verkehrssicherheit. Demnach müsse eine Person, nachdem ihr die Fahrerlaubnis aufgrund Fahrens im angetrunkenen Zustand entzogen wurde, sowieso eine Schulung besuchen. Hinzu kommen die obligatorischen verkehrs-medizinischen Abklärungen, denen sich jedermann unterziehen müsse, nachdem er mit über 1,6 Promille hinter dem Steuer erwischt wurde.

Im übrigen biete das Thurgauer Strassenverkehrsamt bereits seit Jahren «einen Verkehrsunterricht zur Nachschulung von auffälligen Delinquentinnen und Delinquenten an.» 150 Personen würden einen solchen pro Jahr besuchen.

Kreativ und provokativ soll's sein

Bezüglich Sicherheitskampagnen unterstütze der Thurgau jährlich sechs bis sieben nationale Aktionen. Solche hätten mit einem einheitlichen Erscheinungsbild in der ganzen Schweiz die grösste Wirkung. «Aus Sicht des Regierungsrates macht es wenig Sinn, wenn im Kanton Thurgau eine andere Verkehrssicherheits-Kampagne propagiert wird als in anderen Kantonen», heisst es in der Beantwortung der Anfrage.

«Die Antwort der Regierung ist etwas gar nüchtern», sagt Andrea Vonlanthen. Die Gefahren von Blaufahrten kämen viel zu wenig zur Geltung. Seiner Meinung nach müsste der Kanton Thurgau zusammen mit Verkehrsverbänden aktiver werden und eigene Kampagnen organisieren. «Kreativ und provokativ», müssten sie sein.

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