Jeder parkiert nach seiner Façon

Jahr für Jahr mehr Autos, die man irgendwo abstellen muss: Selbst im Thurgau werden nun Parkplätze knapp. Jede Gemeinde hat ihre eigene Lösung. Das zeigt der Vergleich zwischen Frauenfeld, Kreuzlingen und Arbon.

Ida Sandl
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Parkplatz Bärenplatz in Kreuzlingen an einem ganz gewöhnlichen Montag: Alles voll. (Bild: Donato Caspari)

Parkplatz Bärenplatz in Kreuzlingen an einem ganz gewöhnlichen Montag: Alles voll. (Bild: Donato Caspari)

Wohnungen statt Parkplätze: Die SBB will ihren P+Rail-Platz beim Frauenfelder Bahnhof Anfang 2015 aufheben. «Wir werden das Areal voraussichtlich im kommenden Jahr verkaufen», sagt Mediensprecherin Lea Meyer. Statt Autos sollen hier in Zukunft Häuser stehen. Konkret heisst das: 170 Parkplätze weniger im Zentrum. Es hat in der Nähe noch grössere Parkplätze, die den Wegfall auffangen können. «Wenn aber 130 Autofahrer eine Monats- oder Jahreskarte wollen, dann haben wir ein Problem», sagt Werner Spiri, Chef des Frauenfelder Amtes für öffentliche Sicherheit.

Noch ist die Parkplatzsituation in der Kantonshauptstadt geradezu komfortabel. In den meisten Wohnquartieren können die Autofahrer ihr Auto gratis abstellen. Eine Gebühr wird nur fällig, wenn jemand seinen Wagen nachts regelmässig stehen lässt. «Wenn es gut läuft, schreiten wir auch nicht ein», sagt Thomas Müller, der Chef des Tiefbauamtes. Stehen abgestellte Autos zu nahe an der Kreuzung oder behindern den Stadtbus, dann wird die Stadt tätig. Parkplatzbewirtschaftung in den Wohnquartieren heisst meistens, dass weisse Parkfelder aufgemalt werden.

Blaue Zonen findet man in Frauenfeld dagegen fast keine. «Bei den weissen Feldern sind wir flexibler», sagt Müller. Die Aufenthaltsdauer kann die Stadt dann selber bestimmen, während in der Blauen Zone fix eine Stunde maximale Parkdauer gilt.

Wildparkierer: Buntes Treiben

Gar zu bunt treiben es die Wildparkierer manchmal rund um den Bahnhof und das Kantonsspital. Spiri sagt: «Dort spüren wir einen gewissen Druck.» Gehen Beschwerden ein, dann gebe man das weiter an die Kantonspolizei, die im Auftrag der Stadt die parkierenden Autos kontrolliert. Davon abgesehen, könne man in Frauenfeld noch immer problemlos einen Platz für sein Auto finden, sagt Spiri. Wer nichts zahlen will, der müsse etwas weiter laufen.

Unbegrenzt gratis parkieren, das geht in Kreuzlingen fast nicht mehr. «Bei uns ist das ganze Stadtgebiet bewirtschaftet», sagt Stadtrat David Blatter. Neben den kostenpflichtigen Parkplätzen in Grenznähe gibt es sowohl im Zentrum als auch in den Wohnquartieren relativ viele blaue Zonen. Die Kreuzlinger können aber Anwohner-Parkkarten kaufen, die kosten im Monat 35 Franken.

Trotz Parkkarte kann es in den grenznahen Quartieren schon mal eng werden. Eine Anwohnerparkkarte garantiere keinen freien Platz. Das bekommen die Kreuzlinger vor allem am Wochenende zu spüren, wenn die Einkaufstouristen aus der ganzen Schweiz einfallen und die Parkplätze besetzen. «Dann spüren wir gewissen Unmut», sagt Blatter. Kreuzlingen wird dann zum Abstellplatz für die Konstanzer Geschäfte.

Das Parkplatz-Regime ist für die Gemeinden oft ein Spagat: Wie viele Regeln sind sinnvoll und wann drückt man besser ein Auge zu? So kommt Kreuzlingen zum Beispiel den Gläubigen entgegen, die sonntags die Messe in St. Ulrich besuchen. Deshalb wird am Bärenplatz schon seit einigen Jahren am Sonntag keine Parkgebühr mehr verlangt.

Dass sich bei den Parkplätzen die Geister scheiden, hat der Arboner Stadtrat Konrad Brühwiler erfahren. Ein Wohnquartier wollte Ruhe vor Fremdparkierern. Die Stadt hat daraufhin Zonen eingerichtet, in denen das Abstellen der Autos verboten ist. Alle waren zufrieden. Als man das Konzept aufs Nachbar-Quartier übertrug, gingen die Anwohner auf die Barrikaden. Brühwiler hat daraus gelernt, dass es beim Thema Parkieren keine einheitliche Lösung gibt. Er sagt: «Die Schwierigkeit ist, alle gleich zu behandeln und dabei die jeweiligen Bedürfnisse zu berücksichtigen.»

Eine Frage der Ungleichheit

Die Ungleichheit fängt schon bei der Nachfrage an. Die Arboner Hafenzone ist im Sommer ein begehrtes Pflaster. Das dort die Parkplätze etwas kosten, leuchtet ein. Immer neue Betonflächen für die Ausflügler und Freizeitkapitäne schaffen, will man in Arbon aber nicht. Die Stadt fand deshalb vor einem Jahr eine pragmatische Lösung. Sie nutzt neu am Wochenende das Parkhaus der Migros, das bisher Samstagabend und sonntags geschlossen war. Das Parkhaus ist so besser ausgelastet und Arbon hat zusätzliche Plätze. Das nützt allen.

Manchmal macht Brühwiler kuriose Beobachtungen. So bleiben Parkplätze leer, sobald sie etwas kosten. Der Grund: Einige Autobesitzer lassen ihren Wagen auf öffentlichem Grund stehen, obwohl sie einen Tiefgaragenplatz gemietet haben. «Einfach aus Bequemlichkeit».

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